Zwei Weltklasse-Attraktionen
Die Terrakotta-Armee in Xi’an

So sieht die Mauer aus, seit sie die Ming-Kaiser vor etwa 500 Jahren zum gigantischen Bollwerk ausbauten.  Foto: Ekkehart Eichler
So sieht die Mauer aus, seit sie die Ming-Kaiser vor etwa 500 Jahren zum gigantischen Bollwerk ausbauten. Foto: Ekkehart Eichler

 

Das zweite epochale Mysterium dieser Reise liegt gut tausend Kilometer von Peking entfernt. In Xi'an führt die reizende Frau Chiang deutsche Gäste in die 2.200 Jahre alte Welt – oder besser Unterwelt – des gleichermaßen genialen wie größenwahnsinnigen ersten Kaisers Qin Shihuangdi.

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Ließ dieser doch von über 700.000 Zwangsarbeitern ein Monumental-Mausoleum anlegen, das von 7.278 lebensgroßen Krieger- und Pferdefiguren aus Ton bewacht wurde. Diese Terrakotta-Armee – 1974 zufällig bei Brunnenbohrarbeiten entdeckt – war und ist eine von Chinas größten Sensationen.

Jeder Krieger - ein anderes Gesicht

Gleich in der ersten gigantischen Halle steht man dann auch einigermaßen fassungslos vor einem Teil dieser einzigartigen militärischen Formation. Zu sehen sind ca. 1.000 Krieger, die – angeführt von 204 Bogenschützen – in elf, von dicken Wänden getrennten Korridoren, dicht bei dicht in Schlachtordnung stehen. Und das Ganze so frappierend lebensecht, dass man meint, es genüge ein kurzer Wink mit dem imaginären Zauberstab, um Kommandos erschallen, Pferde wiehern, Pfeile sirren und Soldaten abmarschieren zu lassen.

Was außerdem fasziniert: Alle Krieger tragen individuelle Züge, auch Nasen, Ohren, Haare und Bärte unterscheiden sich erheblich. Ein Eindruck, den Frau Chiang umgehend bestätigt: „Bis heute haben wir in der Tat keine zwei Figuren mit dem gleichen Gesicht gefunden.“ Abgesehen von diesem finalen Feinschliff entstand die Tonkrieger-Armee in einer Art Fließbandverfahren. So sind Basisplatten und Unterschenkel stets aus massivem Ton geformt, die Uniform entstand aus Tonwülsten und –platten. Die Arme wurden separat hergestellt, acht verschiedene Menschen- und auch alle Pferdeköpfe in Hohlformen produziert.

Vieles noch unangetastet

Schließlich brannte man die unglasierten Figuren bei ca. 1.000 Grad, malte sie in leuchtenden Farben an und verpasste ihnen Speere, Schwerter, Bögen und Armbrüste. Davon freilich ist nichts mehr zu sehen – längst verrottet sind die hölzernen Waffen, und auch alles ursprüngliche Weiß, Schwarz, Rot, Grün, Blau, Violett, Gelb oder Braun verblasste erschreckend schnell, als die Krieger nach über zwei Jahrtausenden Dunkelheit und Grabesmuff plötzlich mit Licht und Luft in Kontakt kamen. Ein Verfahren zum Schutz des originalen Farbüberzugs wurde erst 2004 entwickelt –unter maßgeblicher Beteiligung bayrischer Experten übrigens.

Bis heute ist gerade mal ein Viertel der gesamten Anlage freigelegt. Auch des Kaisers Grabhügel blieb bislang unangetastet, in dessen Innern der Legende nach tausende von Perlen und Edelsteinen den Sternenhimmel symbolisieren und alle Seen und Flüsse Chinas aus Quecksilber nachgebildet sein sollen. Aber selbst, wenn dort eines Tages neue sensationelle Funde ans Tageslicht träten – die Welterbe- und Weltklasse-Armee der Tonkrieger wird wohl auf lange Zeit durch nichts und niemand zu schlagen sein.

 

Ekkehart Eichler, vom 16.11.2015 00:00 Uhr
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