Urlaub an der Ostsee
Tipps für herrliche Herbsttage auf dem Darß

Darßer Ort: Naturschutzgebiet Foto: Marco Mach/Claudia Schuh
Darßer Ort: Naturschutzgebiet Foto: Marco Mach/Claudia Schuh

Aus den Inseln Fischland, Darß und Zingst wurde im Laufe der Jahrtausende eine Halbinsel, deren Küsten unterschiedlicher kaum sein könnten: an der Ostsee weiße Strände und Dünen, am Bodden ruhige Wanderwege und reetgedeckte Häuser.

Die Landschaft mit Bodden, Urwald, Meer und Wiesen ist einmalig schön – gerade im Herbst, wenn das Insel-Leben ruhiger und das Licht wärmer wird. Im Folgenden 10 Tipps für herrliche Herbsttage auf dem Darß:

1. Kraniche beobachten in Zingst

Sie schweben in linienförmigen Formationen ein, landen sanft und trompeten dabei. Erst kommen einige weniger, im Oktober werden es bis zu 70.000 Kraniche auf einmal. Es ist ein Erlebnis, die majestätischen Tiere durchs Fernglas zu beobachten. Mit ihrer Flügelspannweite bis zu 220 Zentimeter gehören sie zu den größten Vögeln, die hierzulande vorkommen. Im September treffen die ersten Kraniche aus Nordeuropa in den seichten Boddengewässern an der Ostseeküste ein, um sich auf den umliegenden Feldern noch einmal satt zu essen, bevor sich die Zugvögel auf ihren langen Weg zu ihren Winterquartieren nach Frankreich und Spanien machen. Ihr Einzug zieht jedes Jahr im Herbst Abertausende Hobbybiologen, Naturfans und Vogelliebhaber auf den Darß und auf die Nachbarinsel Rügen. Zingst, der größte Ort der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst, ist bei Urlaubern nicht nur wegen seiner 18 Kilometer Strand, einer Seebrücke und einem Boddenhafen beliebt.

Er ist auch bekannt als guter Beobachtungstützpunkt beim Einflug der Kraniche: Wer die eleganten und imposanten Tiere sehen will, hat im September und Oktober fast täglich die Möglichkeit. Annett Storm vom Förderverein Nationalpark Boddenlandschaft e.V. und NABU-Kollege Ralf Schmidt führen jeden Mittwoch und Freitag rund eine Stunde vor Sonnenuntergang Gäste zum dortigen Deich vor der Insel Kirr, von wo aus der „Abendeinflug der Kraniche“ besonders gut zu sehen ist. Sie geben Gästen fachkundige Erläuterungen zu den „Vögeln des Glücks“, wie Kraniche auch genannt werden.

2. Strandspaziergänge an der Seepromenade in Prerow

Prerow ist „das“ Seebad auf dem Darß – und auch oder gerade im Herbst, wenn die Wasser- und Lufttemperaturen sinken, ein Abstecher wert. Ist die Ostsee zu frisch, lässt sich wunderbar auch mit Schuhen statt barfuß am weißen, feinsandigen Strand spazieren, dem stetigen Kommen und Gehen der Wellen lauschen, Möwen im Sturzflug beobachten, die gesunde Seeluft inhalieren und der Sonne am Abend bei ihrem manchmal spektakulären Untergang zuschauen. Das nördliche Licht ist gerade im Herbst besonders, weil wärmer und satter als zuvor in den heißen Sommermonaten. Nicht nur Profi-Fotografen müssen bei diesem Licht zwangsläufig ihre (Handy-) Kamera zücken.

Umgeben ist der putzige Ort, dessen Kapitäns- und Rohrdachhäuser mit den traditionell farbenfrohen Darßer Haustüren charakteristisch sind, vom urwüchsigen, duftenden Darßwald, der sich von Prerow entlang der Ostsee erstreckt. Meer und Wald – das ist einmalig.

3. Hoch auf den Leuchtturm im Darßer Ort und Besuch des benachbarten „Natureum“

Rund 50 Wanderwege führen von Prerow aus durch den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Eine Pflicht-Tour jedes Darß-Urlaubers (die ideal auch mit dem Rad zu machen ist), ist ein Abstecher zum nördlichsten Zipfel der Halbinsel, dem Darßer Ort. Während der Weststrand bei Ahrenshoop jedes Jahr dadurch Land verliert, dass der Wind Sand abträgt, wächst der nördlichste Teil um bis zu zehn Meter im Jahr. Die Landzunge „Darßer Ort“ ist auf Waldwegen mit dem Rad, am Ende nur noch zu Fuß oder vom 4 Kilometer entfernten Prerow mit der Pferdekutsche erreichbar. Inmitten von Dünen ragt hier ein 35 Meter hoher Leuchtturm gen Himmel.

Die 127 Stufen hinauf auf den Turm entlohnen einen mit einem windigen, aber famosen Blick auf die Dünen- und Waldlandschaft der Ostsee-Küste und weit über das Meer. An den Leuchtturm angeschlossen ist das „Natureum“, ein kleines, aber hübsches naturkundliches Ausstellungszentrum sowie ein kleines Café.

4. Schwarz- und Rotwild beobachten auf dem Darßer Rundwanderweg

Welch’ lautes Röhren! Gerade im Herbst, zur Brunftzeit, können Besucher auf dem Darß das Verhalten von Schwarz- und Rotwild direkt beobachten und schon von Weitem hören. Am nördlichen Ende des Weststrands, in unmittelbarer Nähe des Darßer Leuchtturms, zwischen Schilfgebieten, Seen und Dünen im jüngsten Anlandungsgebiet am Darßer Ort bahnt sich ein Rundwanderpfad stellenweise auf Holzbohlen seinen Weg durch den Wald

Auf Eichenbohlentürmen können Naturbeobachter stundenlang das rege Geschehen im urwüchsigen Nationalpark verfolgen und Hirsche wie Rehe in ihrem geschützten und natürlichen Umfeld sehen.

5. Der wilde Teil des Darß: Auf Glückssuche am Weststrand

Unterhalb des „Darßer Orts“ beginnt sogleich der 13 Kilometer lange Weststrand, ein urwüchsiger Streifen Küste mit vom Wind schief gebogenen Kiefern, feinkörnigem Sandstrand und entwurzelten Bäumen. Diese Landschaft wählte ARTE zu den 20 schönsten Stränden der Welt. Wer im Herbst herkommt, muss sich wärmer als sonst einpacken und dem Wind trotzen, hat dafür den Küstenabschnitt zum Teil fast ganz für sich allein. Gerade Romantiker und Ruhesuchende lieben den Westsstrand.

Wer hier übrigens (wie auch an der Steilküste im benachbarten, südlicher gelegenen Ahrenshoop) das Glück finden möchte, muss lediglich den Blick senken: Denn zwischen Sand, Geröll und Kies, herangespült vom Meer, verbergen sich „Hühnergötter“ – Steine mit einem Loch in der Mitte. Der Glücksbringer wird auch in manchem Laden feilgeboten – das Glück muss aber natürlich jeder für sich finden.

6. Die einstige Künstlerkolonie Ahrenshoop

Vor 100 Jahren entdeckten Maler, Bildhauer und Schriftsteller den zwischen Meer und Bodden gelegenen Ort Ahrenshoop. Das Ostseebad hat etwas an Stille und Abgeschiedenheit eingebüßt und etliche Geschäfte nutzen im Ort das Künstler-Image mit ihren Galerien und Kunsthandwerksbetrieben, dennoch kann der Gast beim Anblick der bunten, farbenprächtigen und meist reetgedeckten Häusern, der spektakulären Steilküste und dem nordischen Licht nachvollziehen, was Künstler einst so magnetisch anzog. Populär ist die „Bunte Stube“, ein Buchladen mit Kunsthandwerk. Im „Café Buhne 12“ lässt sich abends die Sonne besonders schön beim Abtauchen in die Ostsee zuschauen.

Der Besuch der „Kunstkaten“, der bekanntesten Galerie von Ahrenshoop, ist eigentlich Pflicht, schon allein wegen des Gebäudes: Im Stil eines Fischerhauses leuchtet das Kunsthaus einem bereits von Weiten mit seinem intensivem Himmelblau entgegen. Heute gibt es im reetgedeckten Haus von 1909 neben Wechselausstellungen Lesungen und Konzerte. Das neue, im Jahr 2013 eröffnete Kunstmuseum in Ahrenshoop, ist hingegen ein zeitgenössischer Kunstbau, der in wechselnden Ausstellungen u.a. die 120-mährige Geschichte des Künstlerorts beleuchtet.

7. Erkundungstouren vom Wasser aus

Die meisten Ostsee-Urlauber erkunden die Halbinsel zu Fuß oder auf dem gut ausgebauten Radwegenetz entlang des Boddens, der Küste und durch urwüchsige Waldstücke. Reizvoll ist es aber auch, das Gebiet vom Wasser aus zu erkunden. Wer will, kann ein (Tret-)Boot mieten oder unternimmt einen Ausflug mit der „River Star“, einem originalgetreu nachgebauten Mississippi-Schaufelraddampfer.

Auch beliebt: Mit dem Kajak oder alten Segelbooten, so genannten Zeesbooten, über den Bodden zu schippern. Die braunen Segel der hölzernen Zeesbote auf dem Bodden sind typisch für diese Region.

8. Aufwärmen bei einer Tasse

Sanddorn-Tee in der Teeschale in Prerow Gerade nach einer langen Tour an der frischen Ostseeluft und gerade im Herbst, wenn die Sonne weniger scheint, tut Aufwärmen in einer warmen Stube gut. Wenige Orte auf dem Darß sind heimeliger und gemütlicher als die Teeschale im Ortskern von Prerow: Die Decken in den beiden behaglichen Gaststuben des alten Holzhauses sind niedrig, die Möbel alt, Vögel zwitschern im Garten.

Der feine Tee wird in handgetöpferter Keramik serviert. Dazu gibt es nach alten Rezepten frisch gebackenen Kuchen. Wer mag, kann im kleinen Laden nebenan Ronnefeldt-Tees mitnehmen. Etwa den für die Ostsee typischen Sanddorn-Tee.

9. Fisch essen im Räucherhaus in Ahrenshoop

Seeluft macht bekanntlich auch hungrig. Dominiert wird die Speisekarte im Räucherhaus auf dem Darß natürlich vom Fisch – dem Nahrungsmittel der Küstenbewohner. Von Aal über Dorsch (in Eikruste – lecker!) und Scholle bis Zander kommt alles auf den Tisch, was Ostsee und Bodden hergeben. Gute Fischgerichte direkt mit Blick auf den Hafen von Althagen in Ahrenshoop bietet zum Beispiel das Räucherhaus. Den Fisch fängt der Wirt selbst.

10. Ruhe pur im „Haus am Schilf“ in Wieck

Hübsche Hotels, putzige Pensionen und Ferienwohnungen gibt es auf dem Darß viele. Letztlich muss jeder für sich entscheiden, ob er lieber direkt an der Ostsee in Prerow, Zingst oder Ahrenshoop oder lieber etwas abgeschiedener am Bodden in niedlichen Orten wie Born oder Wieck wohnen möchte. Beides hat Vorteile! Das „Haus am Schilf“ am Ortsausgang von Wieck Richtung Prerow bietet sieben individuell gestaltete Ferienwohnungen mit höchstem Komfort (inkl. Spülmaschine und Induktionsherd, Brötchenservice, Sauna, Leihräder und Wlan) und die absolute Ruhe garantieren. Jede Wohnung hat im großen Garten ein lauschiges Plätzchen mit Gartenmöbeln und Sonnenliegen.

Wer zur Herbstzeit das Fenster gekippt hat, wird am frühen Morgen vom brunftwütigen Röhren der Hirsche geweckt und kann vom Bad- oder Küchenfenster aus kitschig-schöne Sonnenaufgänge über dem Bodden erleben. Naturerlebnisse pur eben.

 

Claudia Schuh und Marco Mach, vom 15.10.2015 17:02 Uhr
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