Tansania
Auf dem Pferderücken durch die Serengeti

Unvergessliches Abenteuer: Mit einer Herde Gnus um die Wette galoppieren. Foto: Adrienne Friedlaender
Unvergessliches Abenteuer: Mit einer Herde Gnus um die Wette galoppieren. Foto: Adrienne Friedlaender

„Steht der Wind günstig können wir uns den Elefanten bis auf einen Sicherheitsabstand von wenigen Metern nähern. Sobald jedoch einer der Dickhäuter die Witterung aufnimmt und auf uns zu kommt, heißt es augenblicklich: Dem Pferd die Sporen geben und verschwinden.“ Rank und schlank, In khakifarbenem Reitdress, braunen Lederchaps, den Safarihut lässig über den Schultern, steht der Martin Dodwell vor dem Stall und gibt letzte Verhaltensregeln. Denn eine Reitsafari in der Serengeti ist nicht nur ein besonders schönes Erlebnis. Es birgt auch einige Gefahren. Und die kennt Martin genau. Seit acht Jahren leitet der 54jährige Engländer gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Alison Mundy den Reitstall der Singita-Lodges in der Serengeti.

So wird das Wetter in Tansania

Alison und Martin bereiten jeden Tour in die Wildnis gründlich vor: Überprüfung der Reitkenntnisse, Auswahl des passenden Pferdes, Reittempo und Dauer des Ritts. Jede Reitsafari wird individuell nach den Wünschen des Gastes geplant. Zur Sicherheit kommen zwei bis drei Begleiter mit. Außer Martin und mir sind heute Juma und Ramson dabei. Die beiden führen die gesattelten Pferde auf den Hof, überprüfen das Sattelzeug und helfen beim Aufsitzen. Ich steige auf Kerimasi, eine braune Boerperd-Stute. Diese eleganten Pferde aus Südafrika, sind leistungsstark und für Reitsafaris besonders geeignet. Martin verstaut sein Gewehr in der Satteltasche und los geht’s.

Elefanten lassen sich nicht aus der Ruhe bringen

Das mit dem Sicherheitsabstand geht schon in den ersten zehn Minuten schief. Kaum aus dem Stall, bemerken wir einen strengen Geruch: Elefanten. Kurz darauf sehen wir sie auch. Sie stehen direkt neben dem schmalen Pfad hinter einem Gebüsch. Martin gibt das Zeichen zum Halt. Prüfend schaut er zu den Dickhäutern herüber, um die Gefährlichkeit der Situation einzuschätzen. Ein mächtiger Bulle schält mit seinem Rüssel die Rinde eines Baumes. Auch die anderen Elefanten scheinen recht entspannt. Martin gibt erneut ein Handzeichen. So leise wie möglich reiten wir an den Riesen vorbei. Wir lassen Büsche und Bäume hinter uns. „Siringitu“ endlose Ebene nennen die Massai die Serengeti. Bis zum Horizont erstreckt sich vor uns das Grasland und lädt zum ersten Galopp ein.

Afrikanische Wildnis pur

Am westlichen Rande des berühmten Serengeti Nationalparks im Norden Tansanias liegt das Singita Grumeti Reservat, benannt nach dem Fluss Grumeti, der hindurch fließt. Auf der Suche nach Wasserquellen und Nahrung, ziehen jedes Jahr Millionen Gnus und Hunderttausende von Zebras und Gazellen durch den Fluss und über das Grasland. Aber lange Zeit war dies Gebiet auch ein beliebtes Jagdrevier. Bis vor etwa zehn Jahren Singita das Management des 140.000 Hektar großen Reservates übernahm. Denn Singita bietet nicht nur exklusive Safari-Erlebnisse in der afrikanischen Wildnis, sondern engagiert sich auch bereits in anderen Ländern Afrikas mit Leidenschaftlich für die Erhaltung des Ökosystems, die Unterstützung der lokalen Bevölkerung und den Wildschutz. So entstanden, sozusagen in der erster Reihe zur größten Tiershow der Welt, die auf einem Hügel gelegene Sasakwa-Lodge, die Faru-Faru-Lodge am Fluss und das Sabora Zelt Camp.

Um die Wette galoppieren mit Antilopen

Ausstattung und Komfort sind überall vom Feinsten. Sie erinnern an die Kolonialzeit und den Stil der 20iger Jahre. Elegant mischen sich schwere dunkle Holzmöbel, persische Teppiche und bunte Massai–Decken, Kristall-Karaffen und schwarz-weiß Jagdbilder in silbernen Rahmen. Dazu gibt es in jeder Lodges Fitnessstudio, Pool, Wellnessangebote und Wlan. Zum Leben in der Luxuslodge gehört ein persönlicher Ranger, der jederzeit für eine Pirschwart im Jeep bereit steht. Und einzigartig in der Serengeti Tansanias ist es, auf dem Pferdrücken mit Gnus und Zebras, Giraffen und Antilopen um die Wette zu galoppieren.

Martin und Alison bieten neben mehrstündigen Ausritten auch längere Reitsafaris an. Übernachtet wird bei diesem drei- bis achttägigen Abenteuer quer durch die Serengeti mal in einer der drei Lodges, mal in dem mobilen Luxuscamp, das schnell an den schönsten Plätzen errichtet wird. Und dann geht es, wie an diesem strahlenden sonnigen Nachmittag, mit Martin hinaus, um auf dem Pferdrücken die Wildnis zu erobern.

Ein leise aber zügiges „Let's go“

Ein Meer aus goldenem Gras unter den Hufen, darüber blauer Himmel. In einem Dorngebüsch entdecken wir eine Hyäne, die gierig die Reste eines Kadavers verschlingt. Ein paar Meter entfernt lauert ein Schakal auf einen günstigen Moment, auch ein Maul voll von dem Fleisch zu erhaschen. In gebührendem Abstand von der Hyäne warten zwei Geier auf die Überreste. In der Ferne ziehen Elefanten vorbei. Wir traben auf die Herde zu, nähern uns bis auf 100 Meter, trotten im Schritt eine Weile neben ihnen her. Ein mächtiger Bulle hebt den Rüssel und nimmt unsere Witterung auf. Was er riecht, gefällt ihm gar nicht. Er wendet sich von seiner Gruppe weg, stellt seine gewaltigen Ohren ab, schüttelt wütend den Kopf und stößt knurrige Drohlaute aus. „Let's go“, sagt Martin ruhig aber bestimmt. Wir wenden die Pferde ab und traben weiter.

Unaufhörlich wandert mein Blick über die Savanne. Vor allem in den buschreicheren Gebieten. Bei dem hohen Wildbestand im Reservat sind die Löwen zwar meist satt. Und es ist auch viel einfacher für sie, sich schnell ein Zebra oder eine Antilope zu schnappen, statt sich mit der berittenen Beute auseinander zu setzen. Dennoch habe ich Martins Worte noch im Ohr: „Sollte unerwartet eine Raubkatze hinter dem Busch hervorspringen, Nerven bewahren! Langsam aber stetig davontraben.“ Martin versichert, dass in den vielen Jahren noch nie etwas Ernstes passiert sei. Aber bei einem Ritt durch die Serengeti gehören in die Satteltasche neben Wasserflasche und Fernglas auch Abenteuergeist und eine gesunde Portion Mut.

Die Flucht vor dem Unwetter

Dunkle Wolken jagen über die Savanne. Ein kühler Wind kommt auf und es fängt an zu regnen. Martin deutet zum Himmel. In ein paar Kilometern ist es heller. Wir fallen in zügigen Galopp. Auf der Flucht vor dem Unwetter stoßen wir auf Gnus und Antilopen, Zebras und Giraffen – allesamt in Bewegung. Mit dem Wetterwechsel und der plötzlichen Abkühlung kommt Leben in die Serengeti. Mit den Tieren galoppieren wir um die Wette und werden Teil der einen großen Herde.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichen wir den Stall. Dort wartet schon Anthony, der mich zurück ins Zelt-Camp Sabora fährt. Es ist schon dunkel als wir uns auf den Weg machen. Tanzende Blitze am schwarzen Himmel begleiten den Regen. Über holprige Sandstraßen führt der Weg durch die Finsternis und immer wieder kreuzen im Scheinwerferlicht Zebras, Gnus und Büffel die Fahrbahn. Endlich tauchen in der Ferne die Lichter von Sabora auf - eine Oase in der Einsamkeit der Serengeti.

Wenn Löwen und Hyänen bei Nacht kommen

Windlichter erleuchten das Camp. Auf der Holzveranda wogt ein Meer aus Kerzen und Lichtern. Am Lagerfeuer sitzen Gäste und genießen einen Drink. Zwei Hyänen schleichen im Schatten des Feuers vorbei. Schon tagsüber spazieren Büffel und Zebras durch das Camp. Im Schutz der Dunkelheit aber geistern manchmal auch Löwen und Hyänen zwischen den Zelten herum. Oder sogar ein Elefant. Daher ist es von Einbruch der Dunkelheit bis zum Sonnenaufgang nicht erlaubt, allein durch das Camp zu gehen. Mitarbeiter mit Taschenlampen und wachsamen Augen holen die Gäste von den Zelten ab und bringen sie auch wieder zurück. „ Eigentlich brauchen unsere Safari-Gäste gar nicht das Camp zu verlassen“ scherzt Lodge Manager Wilson Owino. „Alle Tiere kommen zu uns. Manchmal näher als uns lieb ist. Letzte Woche hat ein Gepard hier eine Antilope gerissen, vor dem Zelt eines Gastes.

Aus Jäger wurden Wildhüter

So viele Tiere wie heute gab es hier im Reservat nicht immer. Als Singita vor zehn Jahren gemeinsam mit dem Grumeti Wildlife Conservation das Management des Gebietes übernahm war der Tierbestand durch Jagdtourismus und Wilderei beinah ausgerottet. Davon weiß der 31-jährige Matt Perry viel zu erzählen. Er ist einer von drei Wildlife-Managern im Reservat und kämpft seit vielen Jahren gegen die Wilderei. Und das mit einem sehr ungewöhnlichen Konzept: „Wir haben damals die Wilderer aufgegriffen und interviewt, um ihre Lebensbedingungen und Jagdmotivation zu verstehen“, erzählt Matt. „Danach haben wir ihnen Arbeitsverträge angeboten und sie dann in einem Rangertraining zu Wildhütern ausgebildet.“ Heute patrouillieren 130 ehemalige Wilderer stolz durch das Gelände – und die Jagdspezialisten haben ein gutes Gespür dafür wo ihre ehemaligen Kollegen zu finden sind. So sind über die Jahre die Tiere zurückgekehrt. „Obwohl wir noch immer ein paar Hundert Wilderer pro Jahr aufgreifen, haben wir hier in den letzten Jahren die Wilderei gut unter Kontrolle bekommen“, sagt Matt stolz. „Der Tierbestand ist konstant, Löwen und Büffel nehmen sogar zu.“

Das Jagen ist brutal und sinnlos

Aber leider beschränkt sich der Erfolg auf das Grumeti-Gebiet. In Afrika ist die illegale Elefantenjagd nicht in den Griff zu bekommen. Von den 300.000 bis 400.000 Elefanten, auf dem Kontinent sind allein im letzten Jahr 50.000 getötet worden. Die Nashörner sind beinah komplett ausgerottet. „Genug ist genug! Das Töten der Elefanten und Nashörner ist nicht nur extrem brutal und sinnlos, es ruiniert auch den Safari-Tourismus“, empört sich Matt Perry. Hinter vielen einheimischen Wilderern stecken Auftraggeber und Händler aus China. Matt ist pessimistisch. „Die chinesischen Wilderer operieren wie eine Mafia. Dagegen sind wir machtlos. Nur mit großem Druck aus aller Welt gegen die chinesische Regierung gibt es vielleicht noch Hoffnung die Serengeti mit ihrer Tiervielfalt zu erhalten.“

Ein großartiges Naturschauspiel

Es ist noch dunkel als wie am letzten Tag das Camp für einen Morgenausritt verlassen. Dem Sonnenaufgang entgegen fahren wir zu den Ställen. Wie ein glühender Feuerball erhebt sich die Sonne am Horizont. Wirft rosa-goldenes Licht über die Savanne und die staubigen Rücken einer Herde Büffel. Am Stall eine Riesen-Überraschung: Mehr als 40 Elefanten hat es über Nacht hierher gezogen. Sie stehen in der Reitbahn, auf dem Rasen vor den Ställen, machen sich an den Bäumen zu schaffen, verspeisen genüsslich Blätter und Zweige. Martin hat alle Hände voll zu tun die Dickhäuter wieder vom Gelände zu bewegen. Aber schließlich geben sie das Stallgelände frei und ziehen friedlich von dannen. Mit ein paar Stunden Verspätung brechen wir mit unseren Pferden in die Savanne auf, mischen uns ein weiteres Mal unter Gnus, Zebras und Giraffen, Löwen und Elefanten, werden erneut für ein paar Stunden Teil eines großartigen Naturschauspiels.

Adrienne Friedlaender, vom 29.03.2017 08:44 Uhr
  Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Jetzt bewerten!
          2
Kommentare (0)
  • » Kommentare anzeigen
  • » Kommentar schreiben
Autor *
E-Mail * (wird nicht veröffentlicht)
Betreff *
Ihr Kommentar *
* Pflichtfelder