Suriname in Südamerika
Urlaub im Urwald

Der größte Fluss im Staat Suriname heißt ebenfalls Suriname und mündet nördlich der Hauptstadt Paramaribo in den Atlantik. Foto: shutterstock/Rene Holtslag
Der größte Fluss im Staat Suriname heißt ebenfalls Suriname und mündet nördlich der Hauptstadt Paramaribo in den Atlantik. Foto: shutterstock/Rene Holtslag

Unfassbar. Völlige Dunkelheit, das erlebt ein Städter nur im Keller, wenn die Zeitschaltuhr  abgelaufen ist. Die geisterhafte Atmosphäre, schwarzen Silhouetten der Bäume, Zirpen von Zikaden, abgehackte Rufe der Vögel und tanzende Glühwürmchen irgendwo im Nirgendwo – diese grandiose Szenerie ist so weit vom Keller entfernt wie die Andromedagalaxie von der Erde. Lichtjahre. Die Nachtfahrt im Koreal, dem Langboot, auf dem Suriname River ist nicht nur wegen der tropischen Umgebung und des  Blickes nach oben ein Abenteuer, auch das Bangen, ob der Mann am Steuer das zwölf Meter lange Boot in der Finsternis unfallfrei zu steuern vermag, macht ihren Reiz aus. Natürlich findet der Mann am 75-PS-Außenborder den Weg vorbei an Sandbänken und Stromschnellen, er kennt den Suriname River so gut wie ein Berufspendler in Deutschland die besten Schleichwege auf dem Weg zur Arbeit. Wie eine Mutter ihre Kinder sicher am Hort abliefert, so bringt er die Touristen um Mitternacht in der Danpaati River Lodge an Land.

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Eine Insel im Nirgendwo

Am Morgen blickt Sirano Zalman auf den Fluss, der sich im seidenen Licht der aufgehenden Sonne durch den Urwald windet. „Er führt viel Wasser“, sagt er und nippt am Tee, „normalerweise liegen die großen Steine frei.“ Sirano Zalman ist eine Art General-Manager der Lodge, einmal pro Woche ist er auf der etwa sieben Fußballfeldern großen Insel und erledigt, was zu erledigen ist. Sirano Zalman, 1961 in  Paramaribo geboren, ist ein Super­visor. Die Lodge wird vom Volk der Saramaka geführt, von denen 30 000 entlang des Flusses leben. Noach Afata, ein Kerl Ende zwanzig, ist Manager und führt die Geschäfte. Rund 25 Menschen aus Dan, dem zwei Kilometer entfernten 350-Seelen-Dorf am anderen Ufer, sind hier beschäftigt. Einige Teilzeitkräfte stehen auf Abruf bereit. 18 Hütten mit 50 Betten stehen auf Danpaati. „Strom gibt es von 8 bis 13 Uhr und von 19 bis 23 Uhr“, erklärt Noach, „wir stellen nachts eine Öllampe auf die Verandas. Das Wasser aus Hahn und Dusche nicht trinken. Es ist Flusswasser, das zwar gereinigt wird, das aber keine Trinkwasser-Qualität besitzt.“ Er vergisst zu erwähnen, dass Warmwasser hier unbekannter Luxus ist. Dass es weder Klimaanlage noch WLAN gibt und in der Dusche auch mal ein Gecko ein Päuschen einlegt. Wer im Regenwald ein Rendezvous mit Mutter Natur sucht, darf kein geschminktes Model erwarten.

Eine Lodge ohne Touristen

„Wir arbeiten an einem Warmwasser-Speicher“, verrät Sirano Zalman, „aber das dauert.“ Denn  die Leute aus Dan bestimmen, was auf ihrer Insel passiert. Damit vor Jahren am Ufer Bäume gefällt werden konnten, um den Touristen einen malerischen Blick auf den Fluss zu gestatten, waren Empathie und Diplomatie nötig. „Wir mussten die Bewohner überzeugen, dass es sinnvoll ist. Dass mehr Urlauber kommen und  das Dorf profitiert“, erzählt Sirano, „es herrscht Basis-Demokratie.“ Ein Schamane besänftigte also die Geister,  die Bäume durften fallen. Nur so funktioniert die Lodge, die in den 1990ern erbaut worden ist. Geld wurde in mehr als zwei Jahrzehnten kaum verdient. Es fehlten Touristen, weil Surinam als Reiseziel in Europa heute noch fast unbekannt ist; lediglich  Fußball-Fans ist die einstige niederländische Kolonie als Lieferant von exzellenten Kickern  wie Clarence Seedorf, Ruud Gullit oder Patrick Kluivert für das Oranje-Team bekannt. Die Lodge war oft verwaist, auch  weil die Business-Manager  aus den Niederlanden und die Angestellten der Saramaka stark unterschiedliche Vorstellungen von Arbeitsmoral besaßen. „Die Europäer drehten durch und gaben auf.  Man muss die Lodge nach dem Lebenstakt der Saramaka führen“, erzählt Sirano Zalman, der sich 2014 bereit erklärte, das Feriendorf als Supervisor zu begleiten; der als Bindeglied zwischen Saramaka-Räten und Regierung in Paramaribo fungiert, der die Bewohner von Dan an den Urlaubsfreuden der Gäste beteiligte. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagt der 56-Jährige. „Die Auslastung  liegt  bei 40 Prozent, das lässt sich im Vergleich mit anderen Unterkünften sehen.“ Mit den Einnahmen wurde in Dan ein Jugendzentrum eingerichtet, mit Bücherei und PC-Raum. Ein Kindergarten wird unterstützt, Medikamente werden gekauft – und die Lodge spendiert monatlich drei Barrel Diesel (etwa 480 Liter) um das Stromaggregat in Dan zu betreiben. Damit bekommt das Dorf täglich für fünf Stunden Elektrizität.

Jürgen Kemmner, vom 27.06.2017 15:01 Uhr
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