Sightsleeping
Bayerns Herbergen für Augenmenschen

Das Schlosshotel Steinburg in Würzburg ... Foto: Schuh
Das Schlosshotel Steinburg in Würzburg ...Foto: Schuh

Wenn die Nacht hereinbricht über Schloss Burgellern, gehen viele der Besucher schlafen – einige von ihnen tun das an Ort und Stelle: im alten Kreißsaal mit Blick auf 40 Meter hohe Buchen zum Beispiel oder in einem der anderen Zimmer, wo Steinwände und antike Möbel den staunenden Gast vom Schlafen abhalten. Das ist vielleicht der einzige Nachteil, wenn man in einem Hotel nächtigt, das zugleich Sehenswürdigkeit ist, wie das 1249 urkundlich erwähnte und seit wenigen Jahren komplett restaurierte fränkische Schloss 15 Kilometer von Bamberg entfernt. Denn an einem Ort, der so viel fürs Auge bietet, ist es fast zu schade, die Augen zu schließen.

Normalerweise fahren Touristen nach dem Schlossbesuch nach Hause, bei inzwischen 35 Ausflugzielen in Bayern gehört die Übernachtung zum Kunstgenuss dazu: Nach „Sightseeing“ kommt „Sightsleeping“. So heißt die fünf Jahre alte Hotelmarke, die kunst- und architekturbegeisterte Besucher anlocken soll und Übernachtungsmöglichkeiten in Denkmälern ermöglicht. Die Häuser sind keine Luxus- oder Design-Häuser. Ihr Anspruch: klein, aber oho. Es sind allesamt Häuser mit Charakter. Mit Ästhetik und geschmackvoller Architektur.

WLAN und Rittersaal, Sauna und Gewölbekeller – das sind in diesen Häusern keine Gegensätze mehr.

Von der Ruine zum Schlosshotel

So wie Schloss Burgellern. Hier spielte der bayerische Märchenkönig Ludwig II. als Kind unter den Kastanien, es war herrschaftlicher Landsitz, Mütterheim und Frauenklinik. Heute ist das um 1720 erbaute Schloss ein behagliches Hotel mit Restaurant, Festsaal, Tagungsräumen und Biergarten. Eine umfassende Renovierung der Familie Kastner rettete das ehemals domkapitelsche Gebäude vor dem Verfall und ließ es ab dem Jahr 2005 in neuer Pracht erstrahlen.

„Als wir das Haus übernahmen, war es eine komplette Ruine“, erzählt der junge Schlossherr Joachim Kastner und führt durch die verschiedenen Trakte. Die illustren Vorbesitzer, die in den Orient reisten und aufregende Expeditionen machten, hängen gerahmt an den Steinwänden. „Es war klar, warum der Freistaat Bayern die Immobilie loswerden wollte. Wir hatten einen langenWegvor uns.“

Inzwischen sind die Kastners angekommen. Die 23 eleganten Zimmer sind individuell mit exklusiven italienischen Stilmöbeln und modernen Bädern ausgestattet. Historische Architektur trifft auf moderne Inneneinrichtung. Wo es möglich war, haben die neuen Besitzer Altes freigelegt: Decken und Wandmalereien aus dem 19. Jahrhundert, barocke Böden, eine prunkvolle Schlosstreppe aus Holz, Originalböden aus Eiche und Nussbaum mit Diamantenmotiv – ein typisches Muster aus dem Barock.

Im ehemaligen Kreißsaal wird heute geruht

Im ehemaligen Kreißsaal, heute Zimmer 26, kamen rund 1500 Bamberger und Forchheimer zur Welt. „Viele Menschen kommen her, weil sie hier geboren sind“, sagt Kastner, „denn das Schloss war in den letzten beiden Kriegsjahren eine Außenstelle der Geburtsklinik.“

Die neuen Besitzer haben das Dornröschenschloss, das lange leer stand und in Vergessenheit geriet, wachgeküsst – und es zu einem ganz besonderen Schlafplatz umfunktioniert.

Hoch über Würzburg klebt die Steinburg

Auch das Schlosshotel Steinburg darf sich in den kleinen, exklusiven Kreis der Sightsleeping-Häuser einreihen. Es liegt rund eine Stunde Autofahrt von Burgellern entfernt. Das Hotel ist stadtbekannt, alleine schon wegen seiner exponierten Lage. Es ist die höchstgelegene Herberge in Würzburg und klebt regelrecht am Würzburger Stein – einem der besten Weinlagen des Landes. Egal ob im Restaurant, auf der Terrasse, im Kaminzimmer oder am Parkplatz – die Barockstadt liegt dem Besucher zu Füßen, in der Nacht ist sie ein einziges Lichtermeer.

Das heutige 4-Sterne-Hotel ist der Traum der Familie Bezold, die das Hotel nun schon in der dritten Generation führt. Das Schloss selber ist nicht wirklich alt, es wurde erst vor gut 100 Jahren auf den Ruinen einer im 13. Jahrhundert errichteten hohenlohischen Burg erbaut. Es war von Beginn an als Restaurant geplant. 1897 entstand der älteste Trakt im englischen Tudor-Stil als Ausflugslokal. 1937 erwarb die Familie Bezold das Anwesen. Über die Jahre wurde das Haus immer wieder behutsam renoviert, modernisiert und erweitert.

Die 52 Zimmer verteilen sich auf mehrere miteinander verbundene Burggebäude. Jedes Zimmer ist anders eingerichtet, vom altmodisch angehauchten Himmelbett über schummerige Einbettalkoven bis hin zu geräumigen Zimmern mit Schlafsofas für bis zu vier Personen.

Zwei Kräne stehen am Neubau. Ende Mai 2012 soll das Haus fertiggestellt sein, sagt Bezold. Ein „Refugium“ soll es werden, ein Rückzugsort, hoch über der Stadt zum Erholen und Tagen, sagt der Bauherr.

Ob Rittersaal, Schlossgewölbe oder Kaminzimmer – überall begeistert die Steinburg durch ihre Architektur, die EinrichtungundBehaglichkeit. Das Burgverlies war in den 1970ern eine sehr bekannte Bar. Heute hat Familie Bezold tief unten ihr „Steinreich“ verwirklicht – so heißt der Weinkeller, in dem Flaschen gut gelagertundpräsentiert werden. Hier im „Steinreich“ als einzigem Haus finden sich alle Weine der Top- Lage Würzburger Stein. Und der „Steingeist“, so will es ein fränkisches Märchen, der lange nach einem Zuhause gesucht hat, nun hat er hier ein Plätzchen gefunden.

Nur die Augen, die sollte man in solchen Häusern besser etwas länger offenhalten. Sonst verpasst man was. Denn nur zum Einchecken undumins Bett zu gehen, sind diese Orte einfach zu schade.

Gut zu wissen:

Die Sightsleeping-Hotels bieten erstmals in Kooperation mit den Reiseveranstaltern Dertour und ADAC buchbare Rundreisen an, bei denen die ungewöhnlichen Unterkünfte im Vordergrund stehen.

Autorundreisen durch Franken: Übernachten in Burgen und Schlössern. Mit Start in Rothenburg ob der Tauber verläuft die Frankentour weiter über Würzburg nach Schesslitz bei Bamberg. Die Gäste übernachten dabei in Burganlagen und Schlössern: Burghotel Rothenburg in der mittelalterlichen Stadtmauer, Schlosshotel Steinburg inmitten der Würzburger Weinberge und Schloss Burgellern vor den Toren Bambergs. Die Reise mit eigenem Auto kostet ab 799 Euro.

Autorundreisen im Allgäu und Oberbayern: Tradition und Brauchtum. Von Balderschwang über den TegernseebisnachBerchtesgaden führt die siebentägige Autorundreise Allgäu und Oberbayern. Sie steht ganz im Zeichen von „Tradition und Brauchtum“. Übernachtet wird in Designhotels. Eines davon ist das Hubertus Alpin Lodge&Spa in Balderschwang, das erst kürzlich mit dem Deutschen Tourismuspreis ausgezeichnet wurde. Die Rundreise kostet mit eigenem Auto ab 1249 Euro.

Mehr Infos gibt es hier!

 

 

Claudia Schuh, vom 12.06.2012 11:22 Uhr
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