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Seychellen
Inselhopping mit dem Zweimaster

Flaniermeile über türkisgrünes Wasser: Gourmet-Restaurant "Le Bourgeois" und "Sunset Bar" vom besten Hotel im Norden Mahés, dem "Le Méridien Fisherman"s Cove" an der Beau                     Vallon Bucht. Foto: Thomas Flügge
Flaniermeile über türkisgrünes Wasser: Gourmet-Restaurant "Le Bourgeois" und "Sunset Bar" vom besten Hotel im Norden Mahés, dem "Le Méridien Fisherman's Cove" an der Beau Vallon Bucht. Foto: Thomas Flügge

„Ah, alles so schön grün hier!“ Der erste Gedanke auf der Fahrt vom Airport auf Mahé zum Hafen. Üppige Vegetation, wohin man schaut. Den Hafen in der Hauptstadt Victoria steuert das Taxi über die Flamboyant Avenue an. Was bedeutet das noch? Großartig, prachtvoll? Ein gutes Omen! Allerdings trifft das nicht auf die Verfassung der zwölf Reisegefährten zu, mit denen ich auf der 42-Meter-Yacht „S.Y. Sea Bird“ zum Inselhopping in See stechen werde.

So wird das Wetter auf den Seychellen

Bei Erfrischungsdrinks sitzt die Gruppe unter dem Sonnensegel der Decks-Lounge und lauscht der launigen Begrüßung unseres Kapitäns Alan. Zerknitterte Optik und schwere Lider beim Einschiffen kennt er schon. Klarer Fall: Nie direkt nach dem Langstreckenflug an Bord gehen. Besser, man erholt sich vorher in einem netten Strandhotel, dann kann man die Kreuzfahrt vom ersten Moment an genießen. Alan erklärt den Reiseverlauf sowie ein paar Regeln an Bord. „Und sollte Euch mal übel werden: Kein Problem, die Crew wischt’s einfach auf.“ Beruhigend, denn kaum erreichen wir offenes Gewässer, wird der Seegang lebhafter. Es ist die Zeit des Nordwest-Passatwindes. Mit gedrosselter Kraft und ohne Segel pflügt unser Zweimaster durchs kabbelige Wasser.

Ich habe Gewitter im Schlauchboot überstanden und fühle mich robust genug, die „Sea Bird“ zu erkunden. Unter Deck liegen neun schlicht-komfortable, klimatisierte Gästekabinen, alle mit eigenem Bad und Bullaugen. Dominic, der stets fröhliche Stewart der insgesamt neunköpfigen Crew, fängt mich im Salon auf, als mein Segel-Gang aus dem Ruder zu laufen droht. Aber seekrank? Keine Spur. Vier Stunden später ankern wir vor Praslin, der zweitgrößten Insel der Seychellen. Jetzt gibt’s kein Halten mehr: Ausgelassen drängen wir uns auf der Badeplattform am Heck und stürzen juchzend in den tiefblauen Indischen Ozean. Was für ein Genuss in der Tropenwärme!

Die Glocke läutet zum Open-Air-Büffet

Dann ruft die Schiffsglocke zum Open-Air-Büfett: kreolische Leckereien aus Grillfleisch, frisch gefangenem Fisch, Salaten und exotischem Gemüse. Wie hat Raoul, der Koch, das bloß in der winzigen Kombüse gezaubert? Er strahlt und behält sein Geheimnis für sich. Ebenso das Rezept der himmlischen Kokos-Mango-Creme zum Dessert. Die entspannt-familiäre Atmosphäre an Bord sorgt schnell für ein Gefühl der Vertrautheit unter den Gästen: Jill und Malcolm, Zahnärzte aus London mit ihren drei wohlerzogenen Teenager-Söhnen, die Geschwister Manuel und Sonia, die fürs spanische Fernsehen eine Reportage drehen und zwei fidele Rentnerpaare aus dem Schwäbischen.

Am nächsten Morgen wirken alle erfrischt. Das sanfte Schaukeln des Schiffs sorgte für wunderbaren Schlaf. Jetzt ist die See spiegelglatt, mit Booten tuckern wir nach Praslin. Unser Ziel: der Vallée de Mai Nationalpark, ein Unesco-Weltnaturerbe. Das teils seit Jahrmillionen unberührte Tal ist Dschungel pur und beherbergt Arten, die es nur hier gibt. Vom Nationalvogel des Inselstaates, dem schwarzen Papagei, hören wir bloß das melodiöse Flöten. Perfekt ist er im dichten Blätterdach getarnt. Irgendwo rauscht ein Wasserfall. Nicht zu übersehen sind die Seychellenpalmen mit Fächerblättern groß wie Wohnzimmerteppiche. Berühmt sind sie wegen ihrer „Cocos de Mer“. Mit etwas Fantasie kann man in ihrer Form das Becken einer Frau erkennen. Bis zu 20 Kilo sind die Samen schwer und die größten im Pflanzenreich. Pro Jahr dürfen nur 1000 Exemplare an Touristen verkauft werden. Zu Preisen zwischen 200 und 800 Euro. Nichts für mich, obwohl ich ungern besondere Souvenirs auslasse. Im Shop des Nationalparks finde ich etwas Schöneres, was auch noch deutlich günstiger ist: Schmuck des Seychellen-Lables Kreolor, aus polierten Samen, Kokosholz und Perlmutt des Archipels gefertigt.

Ein Friedhof voll fröhlich bunter Plastikblumen

Fast zum Hinüberschwimmen nah liegt La Digue, die drittgrößte der 115 Inseln. Mit dem Rad, gleich am Hafen gemietet, lässt sich das Zehn-Quadratkilometer-Eiland am besten erkunden. Man merkt sofort: Hier gehen die Uhren langsamer, alles wirkt heiter, gelassen, entspannt. Fotomotive gibt es ohne Ende. Der Friedhof, fröhlich bunt vor lauter Plastikblumen. Eine Strandbar vor türkisblauem Meer, pastellfarbene Holzhäuser mit holzgeschnitzten Veranden. Genauso farbenfroh sind die Bilder in der Galerie von George Camille, der schon auf der Biennale in Venedig ausstellte. Sein Stil erinnert an Picasso und Gauguin, und noch sind seine Werke erschwinglich: kolorierte Radierungen gibt es ab 200 Euro.

Einfach unbezahlbar aber ist der Blick über die wahrscheinlich meistfotografierte Tropenbucht der Welt, die Source d’Argent. Ja, die mit den typischen glattpolierten Granitfelsen, die perfekte Kulisse für Fototapeten und zahllose Hochzeitsfotos. Aber kaum zu glauben, es soll noch besser kommen.

Heike Weichler, vom 07.12.2017 00:00 Uhr
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