Roadtrip USA
Legenden auf der Spur

Unser musikalischer Roadtrip beginnt in Nashville, Tennesse. Der Cumberland River bietet, zusammen mit der Skyline der Stadt, eine wundebare Kulisse.  Foto: shutterstock/ESB Professional
Unser musikalischer Roadtrip beginnt in Nashville, Tennesse. Der Cumberland River bietet, zusammen mit der Skyline der Stadt, eine wundebare Kulisse. Foto: shutterstock/ESB Professional

Für einen kurzen Gänsehaut-Moment denkt man, dass Elvis das Gebäude nicht längst verlassen hat. Vielmehr fühlt es sich an, als wäre man auf Zeitreise im Studio B gelandet und dass der King gerade vorn am Mikro steht. Schließlich ist das Licht aus und in die Dunkelheit hinein singt er mit gefühlvoller Stimme seine Ballade „Are You Lonesome Tonight“. Ganz so wie damals im April 1960, als er in diesem Studio die Lichter ausknipsen ließ bei der Aufnahme des Klassikers, die makellos gelang – sieht man zumindest von einem kleinen Schönheitsfehler ab. „Elvis stolperte am Ende des Songs“, verrät Guide Brenda auf der Tour durch diese heiligen Musik-Hallen. Und auch wenn der Sound danach noch bearbeitet wurde, ist tatsächlich während der letzten Takte ein dumpfes Geräusch zu hören, das man vorher nie bemerkt hat.

So wird das Wetter

Dies ist nur eine von zahlreichen Anekdoten über Studio B, wo mehr als 35000 Songs eingespielt wurden, darunter unzählige Klassiker von Dolly Partons „Jolene“ bis Johnny Cashs „I Walk The Line“. „Und 1000 waren Hits“, berichtet Brenda. So wie in Studio B führen überall in Nashville Spuren in die reiche Geschichte der Music City, die ihre Helden feiert und voll ist von Museen und Huldigungsorten wie der „Country Music Hall of Fame“, die sehr anschaulich die Geschichte von Country und Folk bis in die Gegenwart erklärt.

Nashville wird so zur perfekten Einstimmung für einen Roadtrip durch die Städte und Landstriche der Südstaaten, in denen Blues, Country, Rock’n’Roll ihre Ursprünge haben. Von dort aus geht es auf dem Highway nach Westen in Richtung des nächsten Musik-Epizentrums: Memphis, die Stadt des Blues, des Soul von Stax-Records und natürlich von Elvis. Letzteres allein schon wegen der Villa Graceland, die aber den Fokus aufs glanzvolle Gedenken und die Erfolge lenkt. Die wohl schönste Möglichkeit, dessen Spuren zu folgen, ist aber eine Tour in Tad Piersons Cadillac. Im Neonlicht der legendären Sun Studios, wo Elvis einst entdeckt wurde, erscheint sein Wagen fast so pink wie der, den der King einst seiner Mutter schenkte. Doch der Künstler Tad steuert auch unbekanntere Orte an und erweitert das Bild des Sängers mit etwas anderen Anekdoten: Er fährt zur einstigen Sozialwohnung der Presley-Familie an, in der man heute in Elvis‘ Jugendzimmer übernachten kann. Er stoppt vor der Humes High School, wo Elvis zur Schule ging und erzählt vom Teenager Elvis und dessen, wie er sagt, fast schon krankhafter Schüchternheit. „Wenn man nur ein wenig tiefer gräbt, dann kommt der Mensch zum Vorschein.“

Nach ein paar Stunden endet die Fahrt nahe der Beale Street, die zur Zeit der Rassentrennung die Amüsiermeile Zentrum der Schwarzen und ihrer Musik war. Zahlreiche Blues-Legenden spielten hier, die auch Elvis und viele andere weiße Musiker beeinflussten. BB King eröffnete dort sogar seinen eigenen Club. Im Club gegenüber hat heute Big Don Valentine mal wieder einen Auftritt. Der ist tatsächlich ziemlich big und heizt der Nacht mit seinem kräftigen Organ und dem herrlich schmutzigen Sound seiner Blues-Cover-Songs ein, bevor der Roadtrip am nächsten Morgen tiefer in den Süden führt. Dorthin wo viele der schwarzen Musiker wie Muddy Waters und BB King herkamen: Über den Highway 61 nach Mississippi, wo der Delta-Blues im frühen 20. Jahrhundert entstand.

Die Landschaft ist flach und weit. Die Baumwollfelder erstrecken sich wie früher bis zum Horizont, auf denen früher die afroamerikanischen Arbeiter schufteten. „Der Blues wurde aus der Verzweiflung der Menschen geboren“, erklärt Vickie Jackson vom neuen Grammy Museum in Cleveland/Mississippi. „Die Musiker hier hatten einen großen Einfluss mit ihren Liedern, mit denen sie auch auf soziale Ungerechtigkeiten hinwiesen.“

Sascha Rettig, vom 24.05.2017 10:54 Uhr
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