Peru
Die Inkastadt Choquequirao

Die Inkastadt Choquequirao in Peru ist über 500 Jahre alt. Foto: shutterstock/Yuri Zvezdny
Die Inkastadt Choquequirao in Peru ist über 500 Jahre alt.Foto: shutterstock/Yuri Zvezdny

Machu Picchu, so fern. Sehnsüchtig geistern die Gedanken hinüber zu der verlorenen Stadt in den Wolken. Nur etwas mehr als 30 Kilometer Luftlinie von hier, hinter schneebedeckten Fünftausendern, schlürfen  Rentner aus Texas und Taiwan Pisco Sour und machen Selfies mit genervten Lamas. Selbstzufrieden blicken sie auf das neue siebte Weltwunder. In einem Plüschsessel haben sie sich bei einem Glas chilenischem Cabernet in diesem kolonialluxuriösen Belmond-Hiram-Bingham-Zug die Anden hinaufgondeln lassen. Die Fußfaulen unter ihnen sind selbst noch die letzten Höhenmeter zum Eingang des Inka-Heiligtums im Bus angereist.

So wird das Wetter

Auf dem Maultierpfad nach Choquequirao aber kämpfen die Conquistadores des 21. Jahrhunderts mit der Höhenkrankheit, fummeln an ihren Blasen und kratzen an ihren Moskitostichen und am Sonnenbrand. Seit  Stunden schmerzen die Knie wie nach einem Halbmarathon. Erbarmungslos brennt die Nachmittagssonne von einem cyanblauen Himmel. Auf dem Bergpfad nach Choquequirao wird  jeder Schritt zur Qual. Wie nur, wenn nicht auf Droge, fragt der müde Wanderer, hat dieses wahnsinnige Volk der Inka gigantische Felsbrocken diese mörderischen Steilhänge hinaufgeschleppt? Für einen selbst scheint gar eine halb volle Wasserflasche zu schwer.

Kein leichter Aufstieg

„Choquequirao will verdient sein“, hatte Ramiro Salazar Cana seiner Wandergruppe gleich zu Beginn der Tour gesagt. Da klang es noch nicht wie eine Warnung. Der 30-jährige Bergguide führt seit acht Jahren Touristen durch die Anden. Der Choquequirao-Treck gehört zu seinen Lieblingstouren. Sein Handwerk, von Hitze und Höhenkrankheit gemarterte Europäer und Amerikaner mit Inka-Legenden und Anden-Kalauern aufzubauen, versteht er bestens: „Noch eine Serpentine oder zwei, dann wartet vielleicht schon ein Puma auf seine Beute.“

Atemraubend liegt das Apurímac-Tal zwischen schneebedeckten Bergketten und schwindelerregend hohen Klippen. „,Der heilige Berggott, der spricht‘, so in etwa lautet der Name des Flusses“, erklärt Ramiro. Der reißende Strom brabbelt hier durch einen der tiefsten Canyons der Welt. Beladene Maultiere keuchen den Berg hinauf. Würden sie nicht den Proviant und die Zelte tragen, man wäre wohl längst umgekehrt.

Die sagenumwobene Ruinenstadt

Irgendwo da oben wartet eine sagenumwobene Ruinenstadt. Bis heute ist Choquequirao nur für Wanderer über einen schmalen Pfad in mindestens zwei Tagesetappen zu erreichen. Die Inka nannten sie „Wiege des Goldes“. Choquequirao wurde für sie zur letzten Zuflucht vor den im 16. Jahrhundert einfallenden Conquistadores. Die Spanier haben die auf über 3000 Höhenmetern im Bergdschungel verborgene Stadt nie entdeckt.

Anders als ihre weltberühmte Schwesterstadt Machu Picchu wurde Choquequirao bisher nur zum Teil freigelegt und nie vom Massentourismus erobert. Während die bekanntere Inka-Stadt nun Wahrzeichen Perus ist und heute von täglich mehr als 2500 Menschen besucht wird, waren es in Choquequirao im Jahr  2016 nur etwas mehr als 5000.

Win Schumacher, vom 18.05.2017 11:02 Uhr
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