Perle an der Donau
Romantik pur: Budapest an einem Wochenende im Advent

Hübsch verpackt, lässt sich in Budapest wunderbar die weihnachtliche Vorfreude schüren. Was man an einem Wochenende im Advent in der ungarischen Hauptstadt alles anstellen kann, zeigt unsere Bildergalerie. Foto: Shuttertsock/Bandy
Hübsch verpackt, lässt sich in Budapest wunderbar die weihnachtliche Vorfreude schüren. Was man an einem Wochenende im Advent in der ungarischen Hauptstadt alles anstellen kann, zeigt unsere Bildergalerie.Foto: Shuttertsock/Bandy

Ihm ist es egal, ob es neblig ist oder die Sonne scheint. Er muss sie überprüfen. Zweimal pro Tag. Er macht es bereits in der dritten Generation. Janos Fazekas ist Kontrolleur von Budapests bekanntester Brücke - der Kettenbrücke. Davon bekommen die Touristen in der Straßenbahnlinie 2, die am Donauufer entlang rattert, nichts mit. Heute sowieso nicht. Es herrscht November-Wetter in der ungarischen Hauptstadt. Eine blaue Donau erwartet niemand, aber nicht mal eine graue ist zu sehen. Das andere Ufer, also Buda mit Burgpalast, Matthiaskirche und Fischerbastei, hüllt sich in einen dicken Nebelmantel.

Wer jetzt nach Budapest reist, stromert durch Boutiquen und schlemmt in Kaffehäusern

Aber die Touristen sind auch nicht zum Sightseeing gekommen. So etwas machen sie, wenn grüne Blätter an den Bäumen sprießen. Wer jetzt nach Budapest reist, der stöbert durch Boutiquen, gönnt sich in einem der Kaffeehäuser eine Dobos- oder Esterhazy-Torte und schlendert über den Weihnachtsmarkt am Vörösmarty Platz oder vor der Sankt-Stephans-Basilika. Haltestelle an der Freiheitsbrücke.

Die Touristen steigen aus, ziehen den Schal etwas enger um den Hals, die Mütze etwas tiefer ins Gesicht und strömen in Budapests zentrale Markthalle. Das mit Mosaiken und Keramik verzierte Jugendstilgebäude beherbergt über drei Etagen eine Mischung aus Markt und Einkaufszentrum. Die Besucher interessieren sich hauptsächlich für die typisch ungarischen Produkte: Paprika, Salami und Gewürze. Euro und Forint wechseln die Besitzer.

Im leichten Schneegrieseln bummeln die Touristen weiter durch die Fußgängerzone Váci utca. Vorbei an Designerläden, Boutiquen und üblichen Ladenketten. Gut „behütet“ gegen die Kälte werden sie bei „V50 Hat & Fashion“. Um die Ecke in der Nyáry Pál utca bieten zwölf Textil- und Schmuckdesignerinnen in der „Eventuell-Galerie“ ihre Waren an. Szilvia Szigeti zeigt Ikat-Stoffe, Vorhänge, handgewebte Schals, Mützen, ausgefallene Ringe aus Papier oder Katzenhaaren. Seit rund 20 Jahren lebe man von Touristen und einer gewissen Stammkundschaft, meint Szilvia: „Es gab gute und schlechte Jahre. Leider überwiegen derzeit letztere.“

Gleich nebenan im „Kamchatka Showroom“ stellt Márta Schulteisz Damenbekleidung aus Wolle und Seide her und aus. Wie wäre es mit einem Paar Maßschuhe für den Herrn? In der Haris köz vertreibt László Vass die typischen Budapester Schuhe mit Lochmuster.

Inzwischen hat es angefangen zu regnen. Den Touristen ist nach einer Verschnaufpause in einem der Kaffeehäuser. Am Vörösmarty Platz befindet sich das meist überfüllte „Café Gerbaud“ von 1858, das als eines der wenigen die kommunistische Zeit überlebt hat. „Aber bitte mit Sahne“, heißt es auch im ruhigeren „Central Kávéház“. Urspünglich eröffnet 1887, wurde es 1999 wieder neu hergerichtet. Typisch ungarisch: die Dobos-Torte. Eine Art „kalter Hund“. Sie besteht aus mehreren abwechselnden Schichten Biskuit und Schokoladencreme mit Karamel-Glasur. Nicht ganz so alt, aber nicht weniger kalorienreich ist die mit hellgelber Buttercreme gefüllte Esterhazy-Torte.

Doch es gibt nicht nur traditionellen Kuchen in Budapest. In der Nähe der Großen Synagoge hat sich Torten-Designerin Ráchel Flódnija im „Café Noé Cukrászda“ mit ihrem „Flodni Cake“ aus Mohn, Wallnüssen, Äpfeln und Pflaumenmus einen Namen gemacht.

Aufgewärmt und gestärkt begeben sich die Touristen nun auf den Weihnachtsmarkt am Vörösmarty Platz, und der Verzehr der Torten stellt sich sogleich als Fehler heraus. Es duftet nicht nur aus alten, urigen Töpfen nach Glühwein, sondern in der Mitte des Platzes reiht sich ein Essstand mit ungarischen Spezialitäten an den anderen. Hier gibt es Lángos, einen Brotfladen aus Kartoffelteig, der in Öl ausgebacken und mit Sauerrahm und Käse belegt ist. Dort köcheln Paprika-Gulasch und Krautwickel mit Schweinebraten. Ein Erbe aus der Türkenzeit sind Strudel gefüllt mit Kirschen, Quark, Mohn oder Süßkraut. Das typische Weihnachtsgebäck sind Kürtöskalács: Hefespindeln, die über glühenden Kohlen kross gebacken werden. Anschließend wird der Baum- oder Schornsteinkuchen mit Butter bestrichen und in einer Zimt-Zuckermischung gewälzt.

Der Budapester Weihnachtsmarkt gilt als einer der schönsten Europas

Bereits zum 15. Mal seit der Wende findet der Budapester Weihnachtsmarkt, der Karácsonyi Vásár, am Vörösmarty Platz statt. Nicht wegen seiner Größe, aber wegen seines Kunsthandwerks wurde er als einer der schönsten Europas ausgezeichnet. Kitsch und Industriewaren sind verpönt. In den einhundert Holzpavillons sind nur handwerklich gefertigte Artikel im Angebot. Simon Kriszta bastelt Teddybären. „Sie sind allerdings aus synthetischen Fasern, da sie waschbar sein sollen“, meint Simon: „Die Herstellung eines Petzes dauert je nach Größe zirka acht Stunden.“

Reißenden Absatz findet natürlicher Dekoschmuck bei Peter Sziffer: „Ab August trocknen wir Paprika, Orangenscheiben und Lorbeerblätter und formen daraus zusammen mit Zimtstangen Tischverzierung und Wandbehänge.“ Schon über zehn Jahre hat Maria Kovács während der Adventswochen ihren Blaufärber-Stand geöffnet. „Ungardeutsche brachten diese Technik ins Land“, sagt die Unternehmerin, die flussabwärts im Künstlerort Szentendre eine Firma besitzt: „Seit 1878 stellt unser Familienbetrieb mit Indigo gefärbte Stoffe her. Frauen aus dem Ort nähen daraus Tischdecken, Topflappen, Schürzen und Kleider.“

Langsam wird es dunkel. Was wäre ein Tag in Budapest ohne einen musikalischen Ausklang? In der im Neorenaissance-Stil erbauten Staatsoper finden allabendlich Konzert-, Ballet- oder Opernaufführungen statt. Weihnachtliche Musikdarbietungen gibt es in der Matthias-Kirche im Burgviertel in Buda oder in der größten Kirche der Stadt, der Sankt-Stephans-Basilika in Pest.

Bei Regen geht es ab ins (warme) Nass

Doch was machen die Touristen, sollte es am nächsten Tag wieder regnen? Kein Problem: Die ungarischen Hauptstadt ist die Stadt der Thermalbäder. Vielleicht etwas antiquiert, aber interessant sind die altehrwürdigen öffentlichen Bäder. Das bekannteste ist das Gellért-Bad, das sich seit 1918 am Fuße des Gellért-Berges in der Nähe der Freiheitsbrücke befindet. 1913 eröffnete das riesige Széchenyi-Bad im Stadtwäldchen. Auch ohne eine Berührung mit dem warmen Nass nur über das Gelände zu flanieren und den Einheimischen bei Schachspiel und Picknick im Wasser zuzusehen, lohnt den Eintritt.

Brückenmeister Janos Fazekas ist das Wetter ziemlich gleichgültig. Er muss auch morgen die Kettenbrücke kontrollieren. Wie jeden Tag. 

Wochenende in Budapest planen:

Anreise: Direktverbindung mit Germanwings von nach Budapest  unter www.germanwings.com.

Allgemeine Informationen: Ungarisches Tourismusamt Deutschlanddirektion, Wilhelmstraße 61, 10117 Berlin. E-Mail: sekeretariat@ungarn-tourismus.de; www.ungarn-tourismus.de; www.budapestinfo.hu.

Übernachtungsmöglichkeiten: Iberostar Grand Hotel (in Pest) Október 6 útca, n 26, Ecke Szabadság tér (Platz); www.iberostar.com (5-Sterne-Hotel in der Nähe der Sankt-Stephans-Basilika, 15 Minuten Fußweg zum Vörösmarty Platz); Hilton Budapest Hotel (im Burgviertel in Buda); Hess András tér (Platz) 1–3;  www.hilton.de/budapest (5-Sterne-Hotel mit Blick auf die Donau und Pest); La Prima Fashion Hotel Budapest (in Pest) Pesti Barnabás útca 6; www.laprimahotelbudapest.com (modernes 4-Sterne-Hotel), Bohem Art Hotel (in Pest) 35 Molnár útca 35, www.bohemarthotel.hu (modernes Stadthotel in Donaunähe).

Essen und Trinken:

Exquisite Restaurants: Restaurtant Pierrot (im Burgviertel in Buda) Fortuna útca 14, www.pierrot.hu; Vár Speiz Restaurant (im Burgviertel in Buda) Hess András tér 6, www.speiz.hu. Restaurant Kaltenberg (in Pest), Kinizsi útca 30-36, www.kaltenberg.hu. Restaurant Gundel (am Stadtwäldchen in Pest, seit 1910), Gundel Károly útca 4, www.gundel.hu.

Traditionelle und moderne Kaffeehäuser/Cafés: Café Ruszwurm (im Burgviertel in Buda), Szentháromság útca 7, www.ruszwurm.hu; Traditionscafé von 1827, Centrál Kávéház (in Pest), Károlyi Mihály útca 9, www.centralkavehaz.hu, bekannt für seine Dobos- und Esterhazy-Torte. Im Zentrum, aber etwas abseits vom Touristentrubel gelegen. Ursprünglich 1887 eröffnet. 1999 nach Jahren der Schließung wieder neu hergerichtet. Café Gerbaud (in Pest direkt am Weihnachtsmarkt am Vörösmarty Platz), Vörösmarty tér 7-8, www.gerbeaud.hu, Traditionshaus von 1858. Café Noé Cukrászda (in Pest), kleines jüdisches Café nähe Große Synagoge VII. Wesselényi útca 13, www.torta.hu, Spezialität: „Flodni Cake“ aus Mohn, Wallnüssen, Äpfeln und Pflaumenmus; Strudel House “Rétesház” (in Pest, Nähe Sankt-Stephans-Basilika), October 6 útca 22, www.reteshaz.com. Spezialität: Strudel gefüllt mit Kirschen, Quark, Mohn oder Süßkraut.

Nützliche Adressen: Ungarische Staatsoper, Andrássy Avenue 22, www.opera.hu; Thermalbäder Széchenyi Bad in Pest, Allatkerti krt. 11, www.szechenyibath.com; Gellért Bad in Buda Kelenhegyi, útca 4, www.gellertbath.com.

Dagmar Krappe, vom 29.11.2013 06:08 Uhr
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NOV
07.
22:02 Uhr, geschrieben von WS
Orbanes Umfeld
Willkommen im ungaren Faschismus mit Glühwein und Nachrichtenkorrektur.
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