Österreich
Großarl: Im Frühsport zu Berge

Was für ein Anblick: Die Sonne geht über den Bergen auf, und die Piste im Skigebiet Großarltal hat man (fast) für sich allein. Mehr tolle Impressionen gibt es in der Bildergalerie. Foto: SoAk
Was für ein Anblick: Die Sonne geht über den Bergen auf, und die Piste im Skigebiet Großarltal hat man (fast) für sich allein. Mehr tolle Impressionen gibt es in der Bildergalerie.Foto: SoAk

Großarl - Ski fahren, wenn andere noch schlafen. Klingt verrückt. Das machen doch nur die, die niemals genug kriegen können! Die als Allererste auf einer frisch präparierten Piste ihre Kanten in den Schnee fräsen wollen! Oder? Tatsächlich muss man dafür ein wenig neben der Spur sein. Denn um 5.45 Uhr klingelt der Wecker. Gerade kommen die letzten Nachteulen aus der Après-Ski-Bar heim. Unüberhörbar. Duschen muss an diesem Morgen ausfallen. Rein in die Skiklamotten, die am Vorabend extra rausgesucht wurden, und dann rasch in den Skikeller. Ausrüstung ins Auto - los geht’s. An der Talstation der Panoramabahn in Großarl warten bereits 30 Gleich­gesinnte. Viele von ihnen haben trotz der frühen Stunde bereits ein Lächeln im Gesicht. Wissen die schon, was uns erwartet?

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Punkt 7.30 Uhr rauscht die Gondel in Richtung Gipfel. Ein Ehepaar aus dem Ruhrgebiet, zum zweiten Mal dabei, gibt bei der Bergfahrt einen Vorgeschmack. „Die Piste ist menschenleer, keine anderen Skifahrer, die stören“, sagt der Mann. „Und bei Sonnenschein ist es doppelt schön“, sagt seine Frau. Sie hat nicht zu viel versprochen. Als Sepp Gruber, Geschäftsführer der Großarler Bergbahnen, die muntere Truppe mit ein paar Details füttert, taucht über den Bergen die Sonne auf. Alpenglühen am Vormittag. Da geht jedem das Herz auf. „Haben wir das nicht perfekt inszeniert?“, grinst Gruber. Skikeriki: Der Begriff setzt sich zusammen aus Ski und Kikeriki, das stellvertretend für das frühe Aufstehen steht. „Ihr seid gewiss hungrig“, sagt Sepp Gruber, „aber das Frühstück müsst ihr euch erst verdienen.“ Hört sich nach Stress an, ist es jedoch keineswegs.

Mittwochs können 30 Urlauber die Pisten für sich allein genießen

Vielfach sind die Skigebiete überfüllt, vor allem bei gutem Wetter. Will man das um­gehen, kann man zum Tourengeher werden, was nicht jedermanns Sache ist, oder ein Angebot wie Skikeriki nutzen. Ein Trend, der immer mehr Anhänger findet. Auch im Großarltal. Immer mittwochs können 30 Urlauber die Pisten für sich allein genießen - für 31 Euro, die zusätzlich zum Skipass zu bezahlen sind. „Mehr Teilnehmer wollen wir nicht“, sagt Sepp Gruber, „es soll exklusiv bleiben.“ Doch dieser Spaß kommt so gut an, dass Extratage eingeschoben werden müssen. Meist am Donnerstag früh bieten die Bergbahnen inzwischen zusätzliche Fahrten an. Kurz nach halb zehn ist der Frühsport für diesen Tag beendet - das Essen im Iglu wartet.

Die riesige Halbkugel aus Schnee und Eis fasst bis zu 80 Personen. Mit Tischen und Hockern ist darin Platz für die 30-köpfige Gruppe. Erstaunlich, dass es gar nicht so kalt ist, wie man es sich in einem Iglu vorstellt. Heißer Kaffee, frische Brötchen, Marmelade, Wurst, Käse, Spiegeleier und Speck: Jeder packt sich seinen Teller voll. Auch mit Muas - einer traditionellen Mahlzeit im Großarltal. Das Rezept verrät Tourismusdirektor Thomas Wirnsperger: „Aus Wasser, etwas Salz und Mehl wird ein zähflüssiger Teig gemacht, der in einer Pfanne mit reichlich Butter ausgebacken wird, bis er eine Kruste hat.“ Zucker drüberstreuen, Kirschen, Pflaumen oder Heidelbeeren dazu. Fertig. Schmeckt gut, macht satt. Zwei Stunden auf den Brettern gehen ganz schön auf die Kondition. Doch die reichlich ausgeschütteten Glückshormone wiegen alle Anstrengungen auf. Wenn die Nachteulen wüssten, was sie da verpasst haben...

Reimund Abel aus Großarl, vom 29.01.2013 05:00 Uhr
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