Österreich
Beschwingt in Bad Gastein

Musik im Schnee heißt es beim Jazz-Festival Anfang März. Foto: SoAk
Musik im Schnee heißt es beim Jazz-Festival Anfang März.Foto: SoAk

Gastein - Es kann dem Skiläufer schon passieren, dass ein dicker Kontrabass samt Musikus in die Gondel drängt. Oder ein froh gelaunter Saxofonist mit knalligem Hawaiihemd die Piste kreuzt. Der ist dann sicher auf dem Weg zu einer der urigen Hütten, die das Après-Ski mit Dixie-Rhythmen anreichern. Dann heißt es: Aufgepasst, es ist wieder „Snow-Jazz“ im Gasteiner Tal. Man sollte seinen Tourenplan nach diesen besonderen Events ausrichten. Bis dahin ist es zwar noch einige Monate hin, aber die Werbetrommel wird schon lange vorher kräftig gerührt. Die Konkurrenz schläft nicht. Mit Superlativen werfen auch andere Skigebiete um sich.

Fast könnte man meinen, in den Alpen gäbe es nur noch „höchst gelegene, schneesichere“ Brettl-Arenen, die in Ski-Verbünden endlos Pistenkilometer und in den Tälern ein Super-Highlight an das andere reihen. Hier wollen auch die Gasteiner nicht hintanstehen. Also fügen sie zu ihrem Motto „Ski, Berge & Thermen“ noch ein internationales Jazz-Festival hinzu, das 2013 unter dem Motto „Bella Italia“ steht. Das bringt zwar nur „rund 1000 zusätzliche Nächtigungen“, wie Marketing-Chef Martin Zeppezauer einräumt, „aber einen erheblichen Imagegewinn“. Ein bisschen möchte man an die Belle Epoche anknüpfen, als Bad Gastein noch ein renommierter Kurort war, der klangvolle Namen in Thermalbäder und Kasino zog. Heute kommt es eher darauf an, das Niveau von 2,5 Millionen Übernachtungen zu halten, die sich auf 37 Prozent Österreicher, 27 Prozent Deutsche, 15 Prozent Osteuropäer (Tendenz steigend, vor allem aus Russland) und zehn Prozent Skandinavier verteilen.

Der Reiz des 37 Kilometer langen Hochtales

Die meisten nutzen das Beherbergungsangebot in Bad Gastein und Bad Hofgastein. Um so ruhiger geht es in Dorfgastein zu, das seinen alpenländischen Charakter am ehesten bewahrt hat und für Familien auch günstige Ferienwohnungen anbietet. Der Reiz des 37 Kilometer langen Hochtales, das zur Salzburger Sportwelt „Ski amadé“ zählt, liegt in seinem vielfältigen Angebot. Fünf Skigebiete bieten für alle Wetterlagen und Könnerstufen etwas. Allein die Skischaukel von der Schlossalm (2050 Meter) über das moderne Skizentrum Angertal (1175 Meter) und wieder hinauf zum Stubnerkogel (2251 Meter) ist so weitläufig, dass das Tourismusbüro jeweils zum Wochenbeginn geführte Orientierungsfahrten anbietet. Bei klarer Sicht ermöglicht eine Aussichtsplattform einen fulminanten Blick auf Österreichs höchsten Berg, den Großglockner (3798 Meter). Der anspruchsvolle Freerider lässt sich natürlich die „längste Abfahrt der Ostalpen“ nicht entgehen: Sie führt von der Hohen Scharte über Kitzstein insgesamt 14,6 Kilometer in das 1443 Meter tiefer gelegene Bad Hofgastein. Da ist Kondition gefragt. An unwirtlichen Tagen ist hingegen der Graukogel mit nur drei Liften ein Geheimtipp. Die Pisten führen überwiegend durch wind­geschützten Wald sind sehr familientauglich.

Möglichst windarm und wolkenfrei sollte es sein, wenn man sich von Bad Gastein die zehn Kilometer lange Mautstrecke nach Sportgastein hinaufschlängelt. Dieses Gebiet um den Kreuzkogel (2686 Meter) macht seinem Namen alle Ehre und wird von den Könnern als Höhentrainingslager genutzt. Hier kommen die Abseitsfahrer auf ihre Kosten. Wer die waghalsigen Einstiege überwindet, wird mit sanft geschwungenen Varianten beglückt. Nach der Enge in Gastein genießt man die Weiten der Nordroute oder im Weißenbachtal. Ideal sind die steilen Hänge vor allem im Frühjahr, wenn die Sonne den tiefer gelegenen Pisten bereits zusetzt. Auch ohne teuren Liftpass bietet hier oben die Naßfeldalm sportliche Abwechslung: Mehrere gut gespurte Loipen, weitläufige Wanderwege - und Mitte März sorgt ein Palmengarten auf 1600 Meter Höhe für „karibisches Flair“ im Schnee. Nur Skifahren genügt eben schon lange nicht mehr, zumal sich ein Drittel der Gäste ohnehin keine Bretter unter die Füße schnallt. So zahlen sich die Investitionen in vielseitige Angebote nicht nur bei schlechtem Skiwetter aus.

Hier will das Gas­teiner-Tal vor allem mit Wellness punkten. Eine Alternative zum Après-Ski ist ein Einkehrschwung zur Felsentherme (Gastein) oder Alpentherme (Hofgastein). Die Muskeln entspannen sich im warmen Quellwasser, und der Blick schweift noch einmal über die Berghänge, die man tagsüber bewältigt hat. Wer es therapeutischer mag, fährt zwei Kilometer tief in den Gasteiner Heilstollen ein. Bei bis zu 41,5 Grad Celsius, 70 bis 100 Grad Luftfeuchtigkeit und reichlich Radon in der Luft sollen im einstigen Goldbergwerk Haut- und Knochenleiden gelindert werden. Eine Schnuppereinfahrt reicht auch schon zur Regeneration der müden Glieder. Nur unter Platzangst sollte man nicht leiden - Schmalspurbahn ist hier wörtlich zu nehmen.

Wolfgang Bok aus Gastein, vom 18.12.2012 05:00 Uhr
Kommentare (0)
  • » Kommentare anzeigen
Anzeigen
Ausgewählte Hoteladressen