Malta
Kulturhauptstadt Valletta

Valletta ist die Hauptstadt Maltas und gilt als eine der historisch am besten gesicherten Städte der Welt, denn sie wird von einem Ring aus Bastionen umgeben Foto: shutterstock/Zoltan Gabor
Valletta ist die Hauptstadt Maltas und gilt als eine der historisch am besten gesicherten Städte der Welt, denn sie wird von einem Ring aus Bastionen umgebenFoto: shutterstock/Zoltan Gabor

Große und kleinere Kräne, rot-weiße Straßenabsperrungen und Schilder mit der Aufschrift „Opening soon“ stehen vor unzähligen Gebäuden in den schachbrettartig angeordneten Gässchen und Straßen Vallettas. Doch sie stören das Flair der rund 8000 Einwohner zählenden Stadt nicht.  Valletta steckt voller beeindruckender Architektur und ist Teil des Unesco-Weltkulturerbes.

So wird das Wetter auf Malta

Die kleinste EU-Hauptstadt blickt auf eine lange Geschichte zurück. „Es ist viel im Wandel. Das ,City Gate Project‘ zeigt es am deutlichsten“, erklärt Matthew, Segway-Stadtführer und Journalist. Alle schauen von den Hastings Gardens auf das Stadttor hinunter. Wer sein Segway um 180 Grad dreht, blickt auf die gegenüberliegende Bucht von Sliema und den Marsamxett Harbour mit Manoel Island, einer kleinen Halbinsel mit dem gleichnamigen Fort. Weiße Segelbote kreuzen auf dem bläulich schillernden Wasser.

Die Segway-Fahrer verlagern ihr Gewicht wieder auf die Fußspitzen und setzen ihre Fahrt fort – nur über die Gewichtsverlagerung setzt sich das Zweirad in Bewegung. Am Eingang zur Festungsstadt reihen sich noch Bauzäune aneinander. Ein provisorischer Steg führt in die Stadt – in die an manchen Tagen allein bis zu 15 000 Kreuzfahrttouristen strömen. Das Stadttor ist ein monumentales Bauprojekt des renommierten italienischen Architekten Renzo Piano, zu dem auch der bereits vollendete Neubau des Parlamentsgebäudes gehört. „Die moderne Fassade ist bei der Bevölkerung sehr umstritten“, erläutert der 23-Jährige. Der Zankapfel liegt auf der Republic Street, Vallettas Prachtstraße.

Auberge de Castille und Großmeisterpalast

Langsam rollen die Segways an der Volksvertretung vorbei. Alle haben mittlerweile den Dreh raus und bewegen sich sicher zwischen den Flanierenden. Über holpriges Straßenpflaster geht es am historischen Theater vorbei, dann aufwärts zur Auberge de Castille. Das prächtige Gebäude aus Kalkstein ist der Sitz des Premierministers. Die Wege zwischen den einzelnen Regierungsgebäuden sind kurz und mit etwas Glück begegnet man –  wie auch heute –  Regierungschef Joseph Muscat. Der 43-Jährige wird  von einem Bodyguard zur Limousine be­gleitet. Nicht weit entfernt auf dem St. George’s Square steht der Großmeisterpalast aus dem 16. Jahrhundert. Die gehisste Flagge auf dem Dach zeigt, dass die Staatspräsidentin Marie-Louise Coleiro Preca anwesend ist. Bei Staatsbesuchen sind keine Besichtigungen möglich.

Vom nahen Piazza de Valette erklingt Klaviermusik. Ein Straßenmusiker sitzt an seinem weißen Klavier – nicht weit von der zweieinhalb Meter hohen Bronzestatue von Jean Parisot de Valette. Der Ordensritter und Gründer von Valletta hält den Stadtplan und das Siegerschwert in den Händen. Die Johanniter des katholischen Malteserordens kamen im 16. Jahrhundert auf die nur 316 Quadratkilometer große Insel. Sie errichteten die vier Festungsanlagen rund um die Stadt,  bauten Krankenhäuser und andere öffentliche Gebäude. Die Ordensritter machten Malta zu einem strategischen Ort im Mittelmeer, bis sie von Napoleon vertrieben wurden. 164 Jahre prägten  die Briten den kleinsten EU-Staat, in dem heute noch Englisch die Amtssprache ist, links gefahren wird und rote Briefkästen und Telefonzellen neben den Denkmälern von Winston Churchill und Queen Victoria stehen. Malta erscheint nur auf den ersten Blick britisch. Wer sich mit den Maltesern unterhält, merkt rasch, dass nicht jeder Einheimische perfekt Englisch spricht. Malti, die zweite Landessprache, ist mit dem Arabischen verwandt und die nächstgelegene Hauptstadt ist Tunis. Seit 1964 ist der Inselstaat unabhängig.

Ein Besuch der Upper Barakka Gardens

Die letzten Akkorde der Klaviermusik verklingen, als Matthew seine Gruppe in die Upper Barakka Gardens führt. Das darunter liegende Meer sieht aus wie ein gigantischer blaugrüner Teppich. Ein Frachter durchbricht die spiegelnde Oberfläche. Die sandfarbenen Gebäude der Three Cities auf der gegenüberliegenden Seite glänzen in der Sonne. In den Palmen zwitschern die Vögel. Ein Lift führt entlang der alten Festungsmauern hinunter zur restaurierten Waterfront des Hafens.  Die Segways rollen mittlerweile über den St. John’s Square, an dem viele  Cafés und Restaurants liegen. Die kleinen Terrassen unter den bunten Markisen  laden zum Verweilen ein. Maltas Küche ist mediterran – neben Gemüse und Fisch stehen fast überall die traditionellen Kaninchengerichte auf der Karte. Malta gehört zu den am dichtesten besiedelten Ländern der Welt – Wohnraum ist sehr teuer. „Um die hohen Mieten zu bezahlen, haben viele Malteser einen Nebenverdienst“, erklärt Matthew.

Dann tauchen die beiden Türme der St. John’s Co-Cathedral auf.  „Die Kirche wurde 1573 unter der Leitung des maltesischen Militärarchitekten Gerolamo Cassar in nur vier Jahren erbaut. Der Architekt hat viele andere Gebäude in Valletta entworfen“, erzählt der Malteser mit den dunklen Haaren. Der Innenausbau dauere weitere 100 Jahre. Die Säulen und Deckenbögen sind vergoldet und glitzern um die Wette. Unter den bunten Marmorplatten ruhen 400 Ritter.

„In Malta gibt es über 365 Kirchen. Einige sind noch eingerüstet. 2018 ist alles fertig“, ist Matthew überzeugt. „Die Valletta-2018-Stiftung steuert die Projekte und Veranstaltungen. Ihre Vision der Themen basiert auf den vier Elementen Generationen, Routen, Städte und Inseln“, sagt er und steigt  aufs Segway.

Annette Frühauf, vom 13.07.2017 16:31 Uhr
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