Italien im Winter
Frascati: Wohin der Papst mit dem Heli reist

Alle Wege führen nach Rom? Vielleicht. Aber wer sagt denn, dass keine Umwege gestattet sind? Zum Beispiel in das nahe gelegene Frascati in den Albaner Bergen. Foto: Shutterstock/Aperitivi
Alle Wege führen nach Rom? Vielleicht. Aber wer sagt denn, dass keine Umwege gestattet sind? Zum Beispiel in das nahe gelegene Frascati in den Albaner Bergen.Foto: Shutterstock/Aperitivi

Alle Wege führen nach Rom? Vielleicht. Aber wer sagt denn, dass keine Umwege gestattet sind? Zum Beispiel in das nahe gelegene Frascati in den Albaner Bergen. Die Gegend lieben die Römer seit den Zeiten von Cäsar und Brutus, die hier mondäne Villen hatten. Bis heute verbringen die Päpste die Sommer in der Gegend. Nicht nur alte Palazzi und üppige Gärten locken. Auch die Frascati-Weine, die es entlang der römischen Weinstraße zu kosten gibt, und die deutlich bessere Luft in den Bergen versprühen ihren Reiz.

Rom ist an 365 Tagen voller Touristen. “Ja, leider“, seufzt Angela Fragione, 57, eine Deutschstämmige aus Freiburg, die der Liebe wegen vor 30 Jahren ins römische Umland zog und heute als Touristenführerin arbeitet. Kaum gesagt, schon schleppt die resolute Frau einen zum Petersdom, zum Blumenmarkt, zur Lateranbasilika, der ältesten Kirche Roms, an die Piazza Navona und ans Forum Romanum. Allesamt Rom-Klassiker. „Das muss man schon alles gesehen haben. Klar. Dann müssen Sie aber rausfahren," rät Fragione. „Den feinfruchtigen Frascati Superiore haben viele schon getrunken. Aber wer kennt schon den Ort 20 Kilometer außerhalb von Rom? Da müssen Sie mal hin!“

DAS Naherholungsgebiet der Römer haben Deutsche nicht auf dem Zettel

Also auf nach Frascati. Den Orten, den Deutsche bei ihrer Italien-Reiseroute in der Regel überhaupt gar nicht auf dem Zettel haben, ist "das" Naherholungsgebiet der Römer - und zwar schon seit vielen Jahrhunderten. Bereits im späten Mittelalter zogen, sobald die Hitze in den engen Gassen Roms unerträglich wurde, Klerus und Adel in ihre prächtigen Villen in Frascati und den albanischen Bergen. Denn dort machte die angenehme Brise das Leben spürbar angenehmer.

So wird das Wetter bei Frascati

Villa Rufinella taufte Bischof Allessandro Ruffini seinen Sommersitz in Frascati. Es ist die höchstgelegene Villa oberhalb des 23.000 Einwohner großen Orts – eine von neun prächtigen Palazzi, die mit ihren opulenten Gärten und Wasserspielen angeberisch das Stadtbild prägen. Das Grün symbolisiert Ewigkeit, das Wasser steht für Macht. Die Sommervillen stammen aus dem 15. und 16. Jahrhundert und zeugen vom einstigen Reichtum der Herrschenden. Ihre Frontseite sind alle nach Rom ausgerichtet.

Heute beherbergen die stattlichen Häuser, sofern nicht in Privatbesitz, Museen oder sie wurden zu Hotels umfunktioniert. So wie die einstige Villa Rufinella, heute Grand Hotel Villa Tuscolana. Wer auf dem Vorplatz des Hotels steht, hat einen sensationellen Blick auf die Siebenhügelstadt Rom: bei guter Sicht sogar mit Blick auf den Petersdom. Auch umliegende Kirchen und Klöster und ein Meer aus Reben liegen einem zu Füßen. Wer so dasteht und einfach nur schaut, nach links, rechts, und immer wieder Richtung Petersdom, der merkt, warum es sich lohnt, Rom auch einmal etwas distanziert zu betrachten. Und Frascatis Altstadt aus der Nähe zu betrachten, ist ebenfalls aufschlussreich: In auffallend vielen Geschäften dreht ein Spanferkel am Spieß, ebenso eine Spezialität in den Colline Romane wie die Puppata Frascatana, eine dreibrüstige Puppe aus Teig – ein Symbol für die Fruchtbarkeit der Region. Die dritte Brust stehe für die Weine Frascatis. In vielen Bäckereien kann man die Triple-Busen-Wunder als Zuckergebäck genießen.

Auf Spritztour entlang der Weinstraße, zum Papst und in die Albaner Berger

Ein Genuss ist der ganze Landstrich. Daher reicht ein Bummel in den engen Gassen Frascatis nicht. Nein, man muss rausfahren in die Römischen Hügel: Wer es nostalgisch mag, leiht sich für einen Tage einen Fiat 500 oder einen Alfa Romeo Cabrio aus und kurvt damit durch die Lande. Weinliebhaber sollten sich aber am besten was mit großem Kofferraum nehmen. Die Colline Romane sind vulkanischen Ursprungs. “Ideal für Weinanbau“, sagt Geschichtswissenschaftlerin Susanne Hohwieler, die Touristen durch Rom und dessen Hinterland führt. Weingüter gibt es in der Gegend jede Menge, schätzungsweise 3000 Winzer bauen die bekannten Frascati-Weine an. Die Weißweine werden vor allem aus den Rebsorten Trebbiano und Malvasia gekeltert. Mehrere Weinstraßen schlängeln sich durch die Landschaft. “Castelli Romani“ - so heißt die wohl älteste Weinstraße der Welt.

In den Albaner Bergen hatten schon Cäsar und Brutus ihre Villen, am Lago Albano geht auch Papst Benedikt XVI. ein und aus. Denn hier befindet sich Castel Gandolfo, der Sommersitz der Päpste – und damit vatikanisches Hoheitsgebiet. Vor der Papstvilla finden sich Souvenirgeschäfte, kleine Bars und die Pfarrkirche San Tommaso da Villanova. Und jede Menge neugieriger Besucher, die Ausschau halten nach dem alten Mann in roten Schuhen. Der ist meist von Juni bis Anfang September hier anzutreffen. Benedikt XVI reist jedoch nicht gemütlich im Oldtimer an. Das Transportmittel des Papstes ist, wie heute üblich bei Stars und Staatsoberhäupter: der Helikopter.

Genauer informiert:

Hotel: Grand Hotel Villa Tuscolana (4 Sterne), Frascati, herrschaftliche Villa; eine Übernachtung/ DZ/Frühstück, ab 48 Euro pro Person; Park Hotel Villa Grazioli (4,5 Sterne), Frascati-Grottaferrata, Landsitz der römischen Aristokratie und hoher Würdenträger des Klerus aus dem 16. Jahrhundert, im Herzen der Albaner Berge, in einem großen Park, mit Blick bis Rom; eine Übernachtung/ DZ /Frühstück, ab 83 Euro pro Person.

Hotels in Rom: Hotel Colonna Palace (4Sterne), Komforthotel mit Panorama-Terrasse in zentraler Lage; eine Übernachtung/ DZ/Frühstück, ab 96 Euro pro Person; Hotel Piccadilly (3 Sterne plus), gepflegtes Hotel der Best Western Gruppe am südlichen Rand des historischen Zentrums; eine Übernachtung/DZ/Frühstück, ab 49 Euro pro Person.

Essenstipp: In Rom - Osteria de Memmo, Via dei Soldati, www.osteriadememmo.it. In Frascati - Ristorante Cantina Comandini, Via Duca D'Aosta, ristorantifrascati.net. Traditionsgasthaus mitten im Zentrum mit bodenständiger italienischer Küche. Weingut bei Frascati: Cantine Santa Benedetta. Via Frascati, www.santabenedetta.it.

Der Veranstalter Dertour bietet in den Katalogen “Italien“ sowie “Städtereisen“ verschiedene Bausteinangebote in Italien an, so auch in die Albaner Berge, www.dertour.de. Ausflug „Albaner Berge“, Panorama-Tour in die Umgebung Roms, u.a. die Sommerresidenz des Papstes „Castel Gandolfo“. Auf einem Weingut in Frascati können lokale Weine und Spezialitäten verkostet werden, ab 45 Euro pro Person.

Info Allgemein: www.enit.de, www.collineromane.it, www.frascati.it.

Die Autorin war mit Unterstützung von Dertour unterwegs.

Claudia Schuh, vom 25.01.2013 06:35 Uhr
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