Liebe Leserinnen und Leser, die Sonntag Aktuell GmbH stellt zum 31.12.2017 dieses Angebot ein. Vielen Dank für Ihre Treue. Wir wünschen Ihnen eine schöne Adventszeit, ein frohes Fest und einen guten Start ins neue Jahr. Ihre Fernweh-Aktuell-Redaktion

Italien
Die andere Seite Neapels

Neapel ist mit knapp einer Million Einwohnern die drittgrößte Stadt Italiens. Die Hauptstadt der Region Kampanien ist ein wirtschaftliches und kulturelles Zentrum Süditaliens. Foto: shutterstock/ Leonid Andronov
Neapel ist mit knapp einer Million Einwohnern die drittgrößte Stadt Italiens. Die Hauptstadt der Region Kampanien ist ein wirtschaftliches und kulturelles Zentrum Süditaliens. Foto: shutterstock/ Leonid Andronov

Ernesto Albanese hätte Neapel für immer den Rücken kehren können, die Stadt, in der er geboren und sein Vater ermordet wurde. Am helllichten Tag in der Via Constantinopoli  im Herzen von Neapel. Elf Jahre ist das nun  her. Albanese (52), große Armbanduhr, Manager-Look, sitzt in seinem Büro mit dem Rücken zum Fenster. „Man hat ihm das Genick gebrochen“ – seinem Vater, dem stolzen Neapolitaner. Gerade noch rechtzeitig erreichte Albanese das Krankenhaus, bevor der Vater starb. „Che peso“, was für ein Schmerz, bricht es aus ihm heraus.

So wird das Wetter

Einmal im Monat kehrte Albanese nach Neapel zurück und konfrontierte sich mit den Problemen: „Neapel hat die höchste Kriminalitätsrate im Land, aber weder der Staat noch die Bewohner, die über die nötigen Mittel und Bildung verfügen, unternehmen etwas.“ Zusammen mit fünf Schulfreunden gründete er 2005 den Verein L’Altra Napoli (das andere Neapel) und unterstützte Pater Loffredo bei seinem Projekt in Neapels verrufenem Stadtteil Sanità, nur einen Kilometer vom Haus seines Vaters entfernt, wo Armut, Gewalt, Arbeitslosigkeit und die Camorra herrschten. Auf der anderen Seite: ein reiches kulturelles Erbe mit frühchristlichen Katakomben, Barockkirchen, verfallenden Palazzi, dem Geburtshaus des legendären Schauspielers Totò.

Keine Touristen weit und breit

„Als ich das Quartier zum ersten Mal besuchte“, sagt Albanese, „begegnete ich keinem einzigen Touristen.“ Sanità war weder auf den Touristenplänen eingezeichnet, noch in einem Reiseführer aufgeführt. Oft wussten die Anwohner selbst nicht einmal, wo die Katakomben lagen. Ausgerechnet hier wollte Pater Antonio Loffredo den Tourismus ankurbeln und Arbeitsplätze für die Jugendlichen schaffen. Albanese wurde einer seiner ersten Sponsoren.

Pater Loffredo (57) studierte in Tübingen, als auch Kirchenrebell Hans Küng dort lehrte. „Als ich den Jugendlichen von meinem Vorhaben erzählte, schalteten sie auf Durchzug.“ Nichts von dem, was er sagte, interessierte sie. „Sie mussten riechen, sehen, fühlen, was ich ihnen da erzählte,“ sagt er. Mit der Unterstützung von Freunden und einigen Fluggesellschaften nahm er fünf Jugendliche mit auf Reisen: Paris, Barcelona, Berlin, Bremen. Endlich kam der Moment, auf den er gewartet hatte: „Neapel ist doch viel schöner“, sagten sie, „warum können wir uns nicht auch organisieren?“ – „Da wusste ich, ich habe es geschafft“, erzählt Loffredo.

Julia Reichardt, vom 07.08.2017 12:54 Uhr
  Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Jetzt bewerten!
          1
Kommentare (0)
  • » Kommentare anzeigen
  • » Kommentar schreiben
Autor *
E-Mail * (wird nicht veröffentlicht)
Betreff *
Ihr Kommentar *
* Pflichtfelder