Frankreich
Die Provence leuchtet in Gelb

Der Frühling in der Provence leuchtet in strahlendem Gelb - Um diese Jahreszeit stehen die vielen Rapsfelder hier in voller Blüte. Foto: shutterstock/Rushvol
Der Frühling in der Provence leuchtet in strahlendem Gelb - Um diese Jahreszeit stehen die vielen Rapsfelder hier in voller Blüte.Foto: shutterstock/Rushvol

Manchmal duftet der Frühling nicht. Dann leuchtet er nur. In strahlendem Gelb, enorm satt und intensiv. Als würde sich die Sonne in den Blüten auf den Äckern spiegeln. Zypressen säumen diese Felder in loser Folge wie vom Himmel gefallene Ausrufezeichen, Gehöfte aus aufeinandergestapelten hellen Natursteinen thronen auf sanften Hügeln inmitten all dieses Gelbs, als wäre es nie anders. Das aber, was da so intensiv blüht und nicht duftet, erwartet hier keiner so recht – nicht mitten in der Provence, nicht im Lavendel-Land: Raps. Bis hinter den Horizont. Endlose Felder bei Murs im Luberon zum Beispiel – und anderswo. Es ist das andere Gesicht der Provence – das des Frühlings. Das Land hat eine andere Farbe um diese Jahreszeit.

So wird das Wetter

Still ist es drumherum, fast kein Auto ist jetzt auf den schmalen Asphaltbändern unterwegs, die sich durch die Hügellandschaft 50, 60 Kilometer östlich von Avignon und eineinhalb Fahrtstunden nördlich von Marseille von Dorf zu Dorf winden. Ein Lieferwagen vielleicht, ein Traktor mal – keine Wohnmobile, keine Campinggespanne, fast kein Wagen mit ausländischem Kennzeichen. In den Cafés haben die Kellner Zeit für einen Plausch, in den Restaurants sind die besten Plätze auf den Terrassen frei.

Gelber Frühling, Lila Sommer

Wenn die Provence in Gelb blüht, ist es dort ruhig. Im Frühling scheint kaum ein Urlauber diese Region auf der Agenda zu haben. Und erst im Sommer wird es wieder so richtig voll – und teurer: wenn die ganze Gegend in zartes Lila getaucht ist und über allem ein intensiver Blütenduft liegt. Das ist das Antlitz, für das diese Region so berühmt ist. Das Bild, das auf jedem Reiseführereinband zu sehen ist und die Tourismuswerbung bestimmt. Ihr anderes Gesicht ist ebenso schön. Régine Liardet zuckt mit den Schultern. Sie ist ein wenig mitschuldig an dem Lila-Klischee. Die Frau ist Lavendelbäuerin in Sault. „Dabei blüht der Lavendel“, sagt sie, „frühestens von Mitte Juni bis maximal Ende August. Aber irgendwie ist sein Violett zu unserer Farbe geworden.“

Was sie vom Gelb der Rapsblüte hält? Vom Frühling? „Ach, das Schönste an all der Zeit außerhalb der Lavendelblüte ist doch, dass dann viel weniger los ist“, sagt sie. „Die Provence ist noch urtümlicher, unsere Dörfer liegen ruhig da. Und du kriegst überall einen Parkplatz.“ Jetzt lacht sie wieder. Régine Liardet ist hier zur Welt gekommen, hat im Alter von fünf Jahren zum ersten Mal ihrem Vater bei der Ernte geholfen und später gemeinsam mit ihrem Sohn den elterlichen Lavendel-Hof übernommen. Sie führt ihn bis heute, hat auch im Frühling geöffnet, verkauft in ihrem Hofladen Lavendel­seife, Duftöle, Parfüm – und, anders geht es zur Zeit nicht, getrocknete Lavendelsträuße. Weil Lila einfach dazugehört.

Mindestens sechs Wochen ist die Vegetation hier im Süden der Natur zu Hause normalerweise voraus. Die vielen Mitarbeiter von Bernard Voisin sind deshalb bereits im April im Hochbetrieb aktiv – auch ohne Lavendel. Der Mann ist einer der größten Arbeitgeber der Region. Für ihn sind über 19 Millionen Beschäftigte im Einsatz, die meisten davon Saisonkräfte. Sozusagen. Voisin ist „Chef“ von über 320 Stöcken mit jeweils gut 60 000 Bienen. Er ist Imker und verkauft den Geschmack der Provence im Glas –  herrlich duftenden Lavendelhonig mitten im Sommer. Und jetzt den Rapshonig. Seine Bienen sind nun auf den Feldern und auch in den Kirschplantagen bei Saint-Saturnin-lès-Apt unterwegs, tanzen um die Kelche, bis die Sonne  im Westen hinter den Hügeln verschwindet.

Helge Sobik, vom 24.04.2017 10:48 Uhr
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