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Florida
Besser als Schatzsuche

Die Gegend um Fort Myers und Sanibel im Südwesten des Sunshine States Florida bietet geradezu ideale Voraussetzungen für aktive Inselhüpfer. Foto: shutterstock/Jon Bilous
Die Gegend um Fort Myers und Sanibel im Südwesten des Sunshine States Florida bietet geradezu ideale Voraussetzungen für aktive Inselhüpfer. Foto: shutterstock/Jon Bilous

Der Wind weht mächtig am Blind Pass, dem nördlichsten Zipfel von Sanibel Island. Wolken verhängen die Sonne. Pelikane kreisen über dem aufgewühlten Golf von Mexiko. Und doch ist viel los am Strand. Seltsam gebückte Gestalten bewegen sich langsam vorwärts, ganz vorne am Saum der Wellen, den Blick starr nach unten gerichtet. Andere waten knietief im Wasser, mit dem Kescher in der Hand. Sie alle wollen nur das eine: Muscheln sammeln. Milliarden über Milliarden haben die Wellen an dieses wunderschöne Fleckchen im subtropischen Südwesten Floridas getragen, jeden Tag aufs Neue. Und heute, nach einem Sturm in der Nacht, türmen sie sich stellenweise einen halben Meter hoch.

So wird das Wetter in Florida

Egal, wo man hintritt, es knirscht unter den Füßen. Bei jeder Welle hört man, wenn die leeren Muschelschalen und hohlen Häuser der Meeresschnecken zart gegeneinanderstoßen. „Wir sehnen uns nach schlechtem Wetter. Dann ist die Chance auf reiche Beute größer“, sagt fröhlich Shelly Johnston aus North Carolina. Seit Stunden sitzt die ehemalige Feuerwehrfrau eingemummelt in ihrem roten Schlafsack auf einem Muschelberg und durchkämmt ihn mit einem selbst gebauten Rechen. „Schauen Sie nur. Wie perfekt geformt die Engelsflügel sind, eine Venusmuschelart. Oder da, die gestreiften Katzenpfötchen. Oder dort, das Schmuckkästlein. Es heißt wirklich so. Außen hat es Dornen, aber im Innern schillert es wie Seide“, sagt die zierliche Frau und sortiert mit klammen Fingern ihre Fundstücke in einem Kindersieb. „Schenk ich Ihnen. Ich habe Schränke voll zuhause“. Ob die ganze Sammlerei nicht irgendwann langweilig wird, fragen skeptisch die Neuankömmlinge, die das seit Kindertagen nicht mehr gemacht haben. „Nie. Seit 25 Jahren komme ich hierher und lasse so meine Sorgen im Sand. Es ist besser als eine Schatzsuche: Wer weiß, was heute wieder hochkommt?“

Weniger schrill und ohne Glitzer-Gefunkel

Muscheln, das sind die Superstars der Inselwelt rund um Fort Myers. Aber auch sonst verbeugen sich Sanibel und Captiva Island samt ihren winzigen bewohnten und unbewohnten Schwestern vor der Natur. Und sind ganz anders, als man Florida sonst kennt: Weniger schrill, ruhiger, zurückhaltender, ohne Glitzer-Gefunkel. Es gibt keine Discos, keine Fun-Parks, keine Beach Clubs, keine Ampel, keine Fast Food Ketten, keine sterilen Supermärkte, dafür einen wunderbaren General Store mit Schaukelstühlen vor der Tür. Es geht familiär zu, alles ist klein und überschaubar bis auf die nicht enden wollenden Strände. Selbst auf Sanibel Iland, der größten Insel mit 20 Kilometern Länge und 6000 Einwohnern fahren fast alle – ja, auch die Amerikaner! – Rad. Mehr als die Hälfte des Eilands steht unter Naturschutz, kein Hotel darf höher sein als die höchste Palme. Nachts ist es stockfinster, um die Schildkröten nicht zu irritieren. Die Älteren kommen im Mai und Juni an den Strand zur Eierablage, die Jungen schlüpfen eineinhalb Monate später. Auch Promis schätzen das Naturidyll: Sean Connery und Tom Hanks und Sandra Bullock sollen Häuser auf Captiva Island besitzen. Und stand da nicht eben Taylor Swift in der Jogginghose vor der Strandhütte „The Mucky Duck“ brav in der Schlange an für ein eiskaltes Bier, um wie die anderen auf den sensationellen Sonnenuntergang anzustoßen? Jedenfalls dreht sich keiner nach ihr um.

Die Profi-Sammlerin

Nach Pam Rambo schon. Sie rollt am nächsten Morgen bei strahlendem Sonnenschein im offenen Muschel-Käfer auf den Parkplatz am Lighthouse Beach von Sanibel, dem Treffpunkt für die Muschelführung. Das Auto ist über und über beklebt mit Muschel- und Schneckengehäusen. 20 000 Stück, 65 Arten, als Rosette angeordnet, als Blumen, Blätter, Herzen, im Rautenmuster, kein Stückchen Lack mehr frei. Pam ist wirklich muschelverrückt, wie es sich für eine Profi-Sammlerin gehört. Die New York Times nannte sie kürzlich die „Shellebrity from Sanibel“, dank ihres tausendfach geklickten Blogs „iLoveshelling.com. Immer wieder wird sie gefragt, warum gehört gerade Sanibel zu einem der besten Muschel-Hot-Spots der Welt?„Die Lage der Insel ist für uns wie ein Sechser im Lotto: Sie liegt in Ost-West-Richtung quer zur Strömung und bilden damit eine Rampe im Meer. So werden Muscheln, die anderswo auf dem Grund des Ozeans herumtreiben, nach oben an die weiten Strände gespült“, sagt Pam, passend gekleidet mit Flip Flops, Käppi, maritimem Blau und Muschelschmuck. Den macht sie natürlich selber, so wie viele Insulaner. Muschelkunst ist ein sehr beliebtes Hobby auf Sanibel. Und ein einträgliches Geschäft. Alljährlich im März verkaufen sie ihre Blumensträuße, Muschelmännchen, Spiegel, Schmuckstücke auf dem Sanibel Shell Festival oder im kuriosen Laden „She Sells Sea Shells“.

Nicole Schmidt, vom 20.07.2017 13:33 Uhr
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