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Finnland
Zu Besuch beim Weihnachtsmann

Am Polarkreis lässt die Sonne lange auf sich warten.  Um 9 Uhr am  Morgen umhüllt noch immer die Dämmerung  das „Joulupukin Pääposti“ das „Dorf des Weihnachtsmannes“.  Foto: Adrienne Friedlaender
Am Polarkreis lässt die Sonne lange auf sich warten. Um 9 Uhr am Morgen umhüllt noch immer die Dämmerung das „Joulupukin Pääposti“ das „Dorf des Weihnachtsmannes“. Foto: Adrienne Friedlaender

Zarte Schneeflocken tanzen zu weihnachtlichen Klängen, die leise aus den Lautsprechern rieseln. Sanft legt sich der neue Schnee auf die vielen hell erleuchteten und bunt glitzernden Tannen. Ein paar Straßenlaternen verbreiten warmes gelbes Licht. Um neun Uhr morgens umhüllt noch immer die Dämmerung „Joulupukin Pääposti“ das „Dorf des Weihnachtsmannes“. Am Polarkreis in Lappland lässt die Sonne im Winter lange auf sich warten.

So wird das Wetter in Finnland

Die Reise zum Weihnachtsmann beginnt mit einem Sprung über den Polarkreis. Hier in Napapiiri in Finnisch-Lappland markiert die Linie nicht nur den Übergang zum Arktischen Zirkel, sondern auch die Grenze zur magischen Welt der Wichtel und Wunder. Zum Weihnachtsdorf gehören eine handvoll traditioneller nordischer Blockhäuser mit Souvenirshops, Cafés und Restaurants. Und weit über alle Dächer ragt der Turm des Santa-Claus-Hauses.

Vor dem dick mit Schnee bedecktem Blockhaus schlittern ein dutzend Kinder wieder und wieder auf dem Hosenboden eine Eisrutsche hinunter. Ein junges Paar aus Japan lässt sich vor einem fünf Meter hohen Schneemann fotografieren. Ein paar Rentiere mit ihren Schlitten stehen geduldig am Waldesrand. Neugierig beobachten sie die Menschen, die mit glänzenden Augen und einem Lächeln im Gesicht vorbeischlendern, sich umarmen und küssen. Ein paar Meter weiter sitzen die Schlittenführer in ihren bunten Trachten und warten auf die erste Gäste für eine Fahrt durch den tief verschneiten Wald. Überall leuchtet, glänzt und glitzert es. Glockenklang und Weihnachtslieder verzaubern die Besucher und stimmen ein auf das Höhepunkt des Tages: den Besuch beim einzigen und wahrhaftigen Weihnachtsmann.

Eine Audienz beim Weihnachtsmann

Im Haus des Weihnachtsmannes führt ein langer Korridor durch die magische Weihnachtswelt. Über eine Brücke, Steine und Eis, vorbei an einer Zeitmaschine bis zur Weihnachtswerkstatt. Hier reihen sich bereits die ersten Besucher und warten auf Einlass zur Audienz beim Weihnachtsmann. Dann ist es soweit. Zwei Elfen öffnen die Türen zur Kammer. Eine Mutter mit ihrem Sohn darf in das Weihnachtsman-Büro eintreten. „Joulupukki“ empfängt jede Familie einzeln.

Rechts Regale mit verstaubten Büchern, links eine riesige Weltkarte, davor auf einem schweren Holzstuhl der Weihnachtsmann persönlich. Er trägt einen langen roten Mantel, sein weißer Rauschebart reicht fast bis zu den Knien. „Da war einmal ein kleines Mädchen mit einem großen Wunsch“ ,beginnt Santa Claus seine Geschichte - Freundlich schaut er über den Rand seiner Brille und beantwortet gutmütig die Fragen des kleinen Jungen, der mit großen Augen vor ihm steht.

Seit hunderten von Jahren beschäftigt jedes Jahr wieder Kinder auf der ganzen Welt die Frage: Gibt es den Weihnachtsmann wirklich? Lange Zeit hieß es, dass der Weihnachtsmann am Nordpol lebt. Aber gesehen wurde er dort nie und kluge Menschen bezweifelten auch, dass ein Leben auf dem Eis am Nordpol für Santa Claus und seine Rentiere möglich sei.

Eines Tages entdeckte ein Durchreisender den Weihnachtsmann auf dem Korvatunturi, dem „Ohrenberg“ in Finnisch Lappland. Da dieser Berg aber sehr abgelegen ist und Joulupukki seinen Wohnort gern geheim halten möchte, macht er sich jeden Morgen auf die Reise nach Napapiiri, ein paar Kilometer nördlich des Städtchens Rovaniemi. Hier hat er sich seine Werkstatt und ein Büro eingerichtet und bringt den Kindern überall auf der Welt mit seinem Rentiergespann die Geschenke zum Weihnachtsfest. Und hier in seiner Kammer empfängt er auch große und kleine Kinder, um in ihre leuchtenden Augen zu schauen mit ihnen zu sprechen und ihren Wünschen zu lauschen.

Santa Claus beantwortet in acht Sprachen Fragen

Mitten im Dorf steht ein Holzschild. Die Pfeile zeigen in alle Himmelsrichtungen: 6680 Kilometer sind es von hier bis nach Peking, knapp 3000 bis Rom, 3524 bis Madrid. Der Zauber des Weihnachtsmannes reicht rund um den Globus und auch die Besucher kommen aus allen Ecken und Enden der Erde. Seitdem die Kinder dieser Welt wissen, wo sie Santa Claus finden können, kommen jährlich 400.000 Besucher in das kleine Dorf am Polarkreis, um einmal im Leben dem echten und einzigen Weihnachtsmann zu begegnen.

Von Morgens um zehn bis Nachmittags um fünf hat Santa Claus seine Tür für Gäste geöffnet. Und das nicht nur im Winter, sondern rund ums Jahr. Aufmerksam lauscht er Sorgen und Wünschen der Kinder und antwortet geduldig auf die vielen Fragen. Und das in acht verschiedenen Sprachen! Der neunjährige Juri aus Hamburg möchte wissen, wie viele Jahre er schon Geschenke zu den Kindern bringt. Nachdenklich runzelt Joulupukki die Stirn, als er versucht, sich zu erinnern. „Ich saß im Schaukelstuhl auf der Veranda meines Hauses und zählte die Weihnachtsfeste, die ich schon gefeiert habe“, erzählt er dem Jungen.

„Bei 300 bin ich dann aber eingeschlafen. Und Alter ist doch nur eine mentale Sache. Ich bin mein leben lang von Kindern umgeben und wenn ich mit Kindern spiele, fühle ich mich selber wie ein Kind.“ Er lacht und fügt hinzu: „Dazu kommt natürlich noch die frische reine Lappland-Luft . Die hält jung.“

Kinder wollen nicht nur Spielsachen

Bei vielen Kindern stehen natürlich Autos, Puppen oder Spiele auf dem Wunschzettel für den Weihnachtsmann. Aber einige Kinder beschäftigen auch andere Themen. Santa Claus greift in die riesige Kiste und fischt einen Brief hervor. Er ist von dem elfjährigen Christoph aus Griechenland: „Lieber Weihnachtsmann, ich wünsche mir Gesundheit, Glück und Liebe für alle Kinder auf der Welt.“ Joulupukki strahlt: „Solche Briefe berühren mein Herz und machen mich glücklich.“

Ein paar Schritte durch die eisige Kälte führen zum Hauptpostamt des Weihnachtsamnnes: Santa Claus Main Post Office, Arctic Circle, Finnland – steht auf dem Schild über dem Eingang. Dutzende blauer Kisten, nach Ländern sortiert und beschriftet, stapeln sich an den Wänden in der Weihnachtsmann-Poststelle. Wie der kleine Christoph aus Griechenland, schreiben jedes Jahr 600.000 Menschen aus rund 200 Ländern an den Weihnachtsmann. Sie erzählen ihm von ihren Ängsten, Wünschen und Träumen, schicken Selbstgebackenes, Gebasteltes und Gemaltes und sogar Leckerlis für die Rentiere. 40.000 der Zuschriften kann Santa Claus jedes Jahr beantworten. Aber nur mit Unterstützung seiner tatkräftigen Post-Elfen.

Frauen wünschen sich die große Liebe

In roten Zipfelmützen laufen sie geschäftig durch das gemütliche Postamt, sortieren riesige Berge von Päckchen und Briefen, lesen tausende von Wünschen, antworten unermüdlich auf die vielen Fragen: Wo schlafen die Rentiere nachts und was ist das Lieblingsgericht von Santa Claus möchte eine Kindergartengruppe aus Polen wissen. Und Olivia aus Spanien bittet den Weihnachtsmann, ihre Oma wieder gesund zu machen.

Aber nicht nur Kinder schicken Brief zum Postamt am Polarkreis. Auch viele Erwachsene glauben an Weihnachts-Wunder und die geheimnisvolle Kraft des Weihnachtsmannes. Zwei zwanzigjährige Russinnen bitten Santa Claus, Ihnen endlich die große Liebe zu schicken und eine achtzigjährige Dame aus einem finnischen Seniorenheim wünscht sich von Joulupukki einen Lebenspartner für ihre letzen Jahre.

Und was wünscht sich Santa Claus zu Weihnachten?

„Ich schließe mich den Worten von Christoph an. Ich wünsche allen Kindern auf der Welt Glück, Gesundheit , Liebe und dazu das Recht auf Bildung. Und ich denke, dass nicht nur der Weihnachtsmann dafür sorgen muss, dass diese Wünsche in Erfüllung gehen, sondern dass alle Mensch auf der Welt ihm dabei helfen müssen.“ Durch eine Nebelwand tritt man aus der Wunderwelt zurück in die Wirklichkeit.

Es ist etwas heller geworden im Weihnachtsdorf, aber noch immer bitterkalt. Am Horizont leuchtet ein zartrosa Streifen. Zur Mittagszeit schickt die Sonne für kurze Zeit ein paar helle Strahlen nach Lappland. Und weit in der Ferne am Himmel sieht man einen ein Rentiergespann mit einem Schlitten durch die Wolken galoppieren. Oder war es doch nur ein Flugzeug mit neuen Gästen?

Adrienne Friedlaender, vom 07.12.2017 09:00 Uhr
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