Die Stadt des ewigen Frühlings
48 Stunden zu Fuß durch San Francisco

Auf den Twin Peaks ist es fast immer windig und kühl. San Francisco’s Mikroklimazonen halten Temperaturen zwischen fünf und 20 Grad bereit, wobei letztere nur selten überschritten werden. Die Temperaturen auf den Peaks können morgens sogar fünf Grad unterschreiten Foto: Karina Sturm
Auf den Twin Peaks ist es fast immer windig und kühl. San Francisco’s Mikroklimazonen halten Temperaturen zwischen fünf und 20 Grad bereit, wobei letztere nur selten überschritten werden. Die Temperaturen auf den Peaks können morgens sogar fünf Grad unterschreiten Foto: Karina Sturm

Wer die wahre Schönheit der 900.000-Einwohner-Stadt erleben will, der tut dies am besten zu Fuß. Für Touristen mag es verlockend sein, von einem Sightseeing-Objekt zum nächsten zu rasen. Sie haben zu wenig Zeit, für zu viel Stadt. Doch gehen dabei die kleinen Geheimnisse verloren. Spontane Entdeckungen und die unfassbare Schönheit der Natur, die hinter der nächsten Straßenecke wartet, sind nur zu Fuß wirklich sichtbar. Lieber lässt man ein paar der touristischen Ziele aus und nimmt sich mehr Zeit für den San Francisco way of life.

So wird das Wetter

Tag 1

Twin Peaks - die Welt liegt uns zu Füßen

Kolibris, die aus Blüten trinken, strahlend blauer Himmel, eine kühle Brise und scheinbar nie enden wollende Hügel. Die Berglandschaft Berkley’s, der Hafen Oakland’s und einige Frachter, in der wohl berühmtesten Bay, der San Francisco Bay, sind von hier oben zu sehen. Wenn nicht gerade Karl the Fog heran rollt und alles in grauem Dunst verschwindet, ist diese Aussicht die schönste der Stadt - auf der Spitze der Twin Peaks. Der Sonnenaufgang auf der Aussichtsplattform ist atemberaubend schön und sollte den perfekten Start in ein aufregendes Wochenende einläuten.

Viele Touristen erklimmen den vorderen der beiden Peaks, da dieser leichter zu erreichen ist. Daher ist der hintere häufig weniger besucht und bietet identisch schöne Fotooptionen. Der Aufstieg ist auch für unerfahrene Wanderer in fünf Minuten zu schaffen. Hölzerne Stufen führen direkt bis auf ein Plateau.

Spaziergang in den Castro - da rollt der Rubel

Ein Geheimtipp führt hinab über den schmalen, erdig-steinigen Schleichweg, der umzäunt ist von hohem Gestrüpp. Den rot-weißen Sutro Tower im Blick, in Richtung Marview Way, geht es bergab, in die nördlich der Peaks liegende Nachbarschaft Clarendon Heights. Nach dem rechterhand kurzen Aufstieg bestaunen wir die millionenteuren Villen, wovon einige aussehen wie kleine Schlösser. Die menschenleeren Straßen führen vorbei an Aussichtspunkten mit Blick über Downtown und die Bay. Über versteckte Stufen zwischen zwei Häuserreihen, umzingelt von einem Blumenmeer, mäandern wir hinunter zur Market Street. Die bekannte Hauptstraße führt am Castro vorbei, quer durch Downtown bis hin zum Ferry Building. 

Frühstück im Castro - bunt, skurril, lebendig

Der Castro ist einer der buntesten und angesagtesten Distrikte San Francisco’s und bietet eine Vielzahl an Coffee Shops und Diner. Die einzige Frau, in einem vollen Lokal zu sein, kommt schon mal vor, denn der Castro ist das Regenbogenviertel der Stadt. Geprägt von Diversität, Toleranz und Akzeptanz passt praktisch jeder Mensch in das Bild - ein nur mit einer Socke bekleideter älterer Herr, genauso wie die Familien mit Kindern, die vor dem Castro Theater auf den wöchentlichen Disney Singalong warten. Fast unbeeindruckt beäugen die in „Elsa“-Kostümen gehüllten Kids den direkt an ihnen vorbei flanierenden nackten Mann. Fenster und Fußgängerüberwege erstrahlen in den Farben der Flagge, die für den Castro steht: Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Lila.

Union Square - Wo Armut auf Reichtum trifft

Mit der historischen Straßenbahn, die direkt an der Ecke Market Street abfährt, bewegen wir uns in Richtung Powell Street - im Herzen Downtowns. Neben dem Besuch des Union Square lassen unzählige typische US-Geschäfte Frauenherzen höher schlagen. Die Kaufhaus-Kette Macy’s, Victoria’s Secret, ein Apple Store und der Disney Store gesellen sich zu den teueren Geschäften, wie Dolce & Gabbana, Prada oder Cartier. Wer neben der perfekten Fotooption noch Lust auf Süßes hat, ist in der Cheese Cake Factory richtig. Von der Dachterrasse aus, lässt sich der Union Square perfekt ablichten und dazu genießen wir ein Stück des weltweit bekannten Cheese Cakes (der mehr Kalorien hat, als ein Mensch an einem Tag verbrennen kann).

Die Strecke entlang der Market Street bis nach Downtown ist auch laufbar innerhalb einer Stunde, jedoch ist sie landschaftlich nicht sehr reizvoll und führt durch den Tenderloin, ein eher unschöner, schlechterer Stadtteil. Entgegengesetzt zu all dem Luxus, gehören auch Uringeruch und Obdachlosigkeit zum Bild. In San Francisco leben über 6 500 Obdachlose, die jeden Tourist einen Moment zum Nachdenken anregen sollten. Die Mietpreise in der Stadt zählen zu den höchsten in den USA

Ferry Building - Paradies für Feinschmecker

Das Ziel fest im Auge, bewegen wir uns kerzengerade in Richtung Ferry Building. Die Uhr, die sich im Turm des 1898 eröffneten Gebäudes befindet, ist aus der Ferne sichtbar und weist den Weg. Im Schatten der verhältnismäßig kleinen Häuser, folgen wir den Schlagzeugrhythmen bis zum kleinen Markt, der jedes Wochenende vor dem Ferry Building stattfindet. Für die musikalische Unterstützung sorgt ein zuverlässig anzutreffender Drummer, der überraschend gute Beats auf Mülleimern trommelt. Langsam schlendernd, durch das 2004 renovierte Gebäude und verlockt von vielen kleinen Feinschmeckerläden, gehen wir nach draußen, zur Fähre. Zur Mittagszeit gibt es keinen schöneren Ort als auf dem Wasser.

Wer längere Zeit in San Francisco verbringt und viele öffentliche Verkehrsmittel nutzen möchte, lässt sich eine Clipper Card am Automaten heraus und lädt sie auf. Clipper Card Inhaber sparen fast 50 Prozent der Fährgebühren. In Bussen muss außerdem bar gezahlt werden und es gibt kein Wechselgeld.

Sausalito - Die sonnige Kleinstadt

Von der Vorderseite der Golden Gate Ferry aus, genießen wir die Weiten der Bay und die nah kommende Gefängnisinsel Alcatraz. Auf der Rückseite der Fähre blickt man auf die schnell kleiner werdende Skyline San Francisco’s. Nach nur 30 Minuten auf dem Wasser betreten wir die von spanischem Stil beeinflusste, immer sonnige Stadt Sausalito. Nichts erinnert mehr an Großstadt-Flair. Wir schlendern am Wasser entlang, vorbei an Restaurants, Cafes und Geschäften gelangen wir zu einer Aussichtsplattform auf dem Wasser, von der aus San Francisco, die grüne Insel Angel Island und die Halbinsel Tiburon zu sehen sind.

Kayak - Wer hat Angst vorm weißen Hai?

Sausalito ist seit den 50ern bekannt für dessen große und bunte Hausboot Community. Diese 200, in der Richardson Bay gelegenen, schwimmenden Häuser sind am besten vom Wasser aus zu bewundern - in einem Kayak oder auf einem Paddleboard. Nicht selten begegnet man auf dem Weg ein paar Seelöwen, die sich in der Sonne wälzen, Seehunden, die plötzlich neben dem Kayak auftauchen und einen in Angst und Schrecken versetzen und diverse Vogelarten. Leopardenhaie sind vor allem um die Halbinsel Tiburon zu finden und gaben ihr ihren Namen. Sie liegt nur eine Meile von Sausalito entfernt und wer sich traut, kann sie mit dem Kayak erreichen. Auch die berüchtigten weißen Haie sind gerne in der Bay unterwegs, allerdings bewegen diese sich eher um die Gefängnisinsel Alcatraz.

Tag 2

Frühstück im Inner Sunset - Das Tor zum Golden Gate Park

Ganz im Gegensatz zum Namen der Nachbarschaft, kann es im Inner Sunset durchaus Tage ohne Sonne und mit ständigem Nebel geben. Nur drei Meilen vom Ozean entfernt, macht es sich Karl häufig in den Morgen- und Abendstunden hier gemütlich. In dieser Gegend kennt jeder jeden und ein dörfliches Gefühl stellt sich ein. Das große Angebot an Lokalen lockt frühmorgens mit dem Geruch von Pancakes und French Toast und macht es unmöglich vorbei zu gehen.

Golden Gate Park - Central Park, nur größer… und besser

Der direkt an den Inner Sunset grenzende Golden Gate Park ist mit über vier Quadratkilometern Fläche einer der größten Parks der Welt. Um an den Strand zu gelangen, durchqueren wir die grüne Oase einmal komplett der Länge nach. Auf der Strecke liegen Attraktionen wie das Kunstmuseum De Young, die Academy of Science, das Conservatory of Flowers und der japanische Teegarten. Auf unserem Weg durch den Golden Gate Park machen wir Halt am Stow Lake, einem künstlich angelegtem See, auf dem man romantische Bootstouren machen kann, und am Strawberry Hill, einem Hügel, der sich zu besteigen lohnt. Von oben blicken wir auf einen Teil San Francisco’s und den kleinen Wasserfall, der in den Stow Lake plätschert. Der letzte Stop, kurz vor dem offenen Ozean, ist die Dutch Windmill, die eigens zur Versorgung der im Park liegenden Gewässer 1902 gebaut wurde. Wer genau aufpasst, riecht an dieser Stelle schon das Salz in der Luft.

Ocean Beach - Endlose Weiten des Pazifiks

Versteckt hinter einer Düne, auf der anderen Straßenseite, findet sich der dreieinhalb Meilen lange Ocean Beach, San Francisco’s Stadtstrand. An der meist sehr windigen Westküste gelegen, schaut man über den gewaltigen Pazifik, dessen Wellen bis zu acht Meter Höhe erreichen können. Wir lassen unseren Blick über die endlosen Weiten des Ozeans schweifen und genießen das Gefühl von absoluter Freiheit. Wir wandern langsam barfuß durch das kalte Wasser, sammeln Muscheln, atmen bedacht die kühle, salzige Luft ein und beobachtet die Wellen, wie sie an der Brandung brechen. Trotz der vielen Besucher ist es nie voll am Ocean Beach. Vereinzelte Surfer wagen sich in die raue See, einige Einheimische führen ihre Hunde aus, doch neben dem Brechen der Wellen ist kaum etwas anderes zu hören.

Lands End - Ein wahres Naturwunder

Das Rauschen des Pazifik im Ohr bahnen wir uns den Weg zu den auf Seelevel gelegenen Ruinen der Sutro Baths. Ein 1896 erbautes Schwimmbad, das 1966 abbrannte. Wir folgen dem Coastal Trail, erst auf Seehöhe, dann durch Wälder und an steilen Klippen entlang, für zwei Meilen. An bunten Blumen vorbei, bis hin zu ehemaligen Militäreinrichtungen, und dazwischen viele Aussichtspunkte zum stehen bleiben und entspannen. Haben wir Baker Beach erreicht, ist die Golden Gate Bridge zum greifen nah. Die in der Ferne sichtbaren Marin Headlands unterstreichen das perfekte Gemälde, oder in unserem Fall das perfekte Urlaubsbild.

Fisherman’s Wharf & Pier 39 - es stinkt, es ist laut, es ist wundervoll

Aus der idyllischen Stille der Natur heraus, angekommen in Menschenmassen. Es ist laut, eine Vielzahl an Gerüchen liegen in der Luft - asiatisch, Fisch, Pizza. Wo man hinschaut Menschen, bunte Häuser, Musik, Souvenirläden. Nichts wirkt wirklich echt oder gar authentisch. Eine völlige Reizüberflutung. Doch in Fisherman’s Wharf lässt sich für jeden Geschmack die passende Mahlzeit finden und für das After-Dinner-Entertainment ist mit dem Pier 39 gesorgt. Mit jedem Schritt näher, wird das oinken lauter und ein Duft von Kuhdung stellt sich ein. Ein Indiz dafür, den kalifornischen Seelöwen ganz nah zu sein. Diese stinkenden, aber niedlichen, Zeitgenossen zu beobachten bringt jeden Miesepeter zum Lachen und ist der krönende Abschluss eines anstrengenden Spaziergang in meiner Traumstadt - San Francisco.

In diesen 48 Stunden konnten wir die ganze Schönheit der Natur und die typischen touristischen Ziele genießen. Wir hatten genug Zeit um auszuharren, alle Eindrücke zu verarbeiten, inne zu halten und die verschiedenen Gerüche aufzusagen, spontan stehen zu bleiben oder einen Umweg einzuschlagen. Einfach nur weil wir es können - auf dem Weg zu Fuß durch San Francisco.

Karina Sturm, vom 14.04.2017 12:14 Uhr
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