Die Höhepunkte der Insel
Korsika - die Schöne im Mittelmeer

Korsika gilt als die schönste aller Mittelmeerinseln. Außergewöhnliche Plätze und Landschaften haben daran einen wesentlichen Anteil. Unsere Favoriten! Foto: Shutterstock/Marek CECH
Korsika gilt als die schönste aller Mittelmeerinseln. Außergewöhnliche Plätze und Landschaften haben daran einen wesentlichen Anteil. Unsere Favoriten!Foto: Shutterstock/Marek CECH

Filitosa macht richtig Spaß! Anders als andere Ausgrabungsstätten, in denen die Vorstellungskraft Mühe hat, aus spärlichen Resten uralte Kulturen wieder aufleben zu lassen, ist Korsikas berühmtester prähistorischer Fundort eine Offenbarung. Schon das Areal gleicht einem verwunschenen Zauberland. Mit bemoosten Zyklopensteinen, knorrigen Olivenbäumen, monströsen Opuntien und bizarren Felsen, die der Fantasie jede Menge Futter liefern: Trottet da nicht ein Elefant übers Gelände? Schleicht da nicht eine Schildkröte durchs Gras? Reckt da nicht ein Dinosaurier seinen Zackenhals in den Himmel? Ein fabelhaft atmosphärischer Rahmen jedenfalls für die eigentlichen „Superstars“ auf dem Gelände: Diverse Menhire. Diese in grauer Vorzeit von Steinmetzen und Bildhauern kunstvoll aus Monolithen modellierten Figuren sind die ersten realistischen Darstellungen von Menschen in Europa; mehr als ein Dutzend dieser Langstein-Statuen machen Filitosa zudem zu einem Schlüsselort korsischer Frühgeschichte.

So wird das Reisewetter auf Korsika

Das größte Meisterwerk dieser jahrtausendealten Megalithkultur wacht gleich hinterm Eingang: Filitosa V., eine fast drei Meter hohe Figur, die mit Schwert und Dolch bewaffnet ist. Ein paar Wegwindungen weiter bezaubert Filitosa IX. durch sein ausdrucksstarkes Gesicht, das besonders plastisch am frühen Vor- und am späten Nachmittag erscheint. Und angeführt von Filitosa IV. zieht rund um einen tausendjährigen Ölbaum eine weitere Gruppe von imposanten Menhiren die Besucher in ihren Bann - Filitosa ist ein Erlebnis, bei dem einem der Atem der Geschichte besonders kräftig um die Nase weht.

Auch Bonifacio steht auf der Hitliste der spektakulärsten Orte Korsikas

In der Hitliste spektakulärer korsischer Orte belegt auch Bonifacio einen Spitzenplatz. Nur zwölf Kilometer von Sardinien entfernt, thront die südlichste Stadt Frankreichs 60 Meter hoch über dem Meer auf einem windumtosten und wellengepeitschten Kalksteinplateau. Beschützt von gewaltigen Mauern und mächtigen Bastionen - eine eigenwillige Festungsstadt, die wegen ihrer strategisch günstigen Lage über Jahrhunderte erbittert umkämpft wurde von den Erzfeinden Pisa und Genua.

Wie extravagant das Ensemble aus Felsen und Stadt tatsächlich ist, wird am besten sichtbar von Bord eines Ausflugsbootes. Vom sichersten Naturhafen des Mittelmeeres am Ende eines fast anderthalb Kilometer langen Fjords ziehen zunächst die Unter- und dann die Oberstadt mit ihren kantigen, abrupt aufsteigenden Burgmauern und Wehrgängen wie auf einer Parade vorbei. Auf mitunter ruppigem Meer zeigt dann die schneeweiße Kalksteinküste ihr wild-zerfurchtes Gesicht. Mit seltsamen Felsen wie dem Grain de Sable, der wie ein Kopf aus dem Meer ragt. Mit sanften Lagunen, in denen das Wasser in kräftigen Blau- und Grüntönen leuchtet. Mit Grotten, die durch attraktives Farbenspiel glänzen oder durch ihre Form auffallen: Saint-Antoine heißt im Volksmund auch Napoleon, weil sie verblüffend an den Hut des Franzosen-kaisers erinnert. Zum Finale schließlich gleitet noch einmal Bonifacio vorbei - diesmal auf der Meeresseite - mit den aneinander gedrängten Häusern, die sich direkt am Abgrund an den teils überhängenden Steilfelsen klammern - der helle Wahnsinn und kein Anblick für schwache Gemüter.

Die Korsen haben ein Faible für Bauten an dramatischen Plätzen

Schon immer hatten die Korsen ein ausgeprägtes Faible für Bauwerke an besonders dramatischen Plätzen. Wenn die Sicherheit es gebot, war ihnen kein Berg zu steil, kein Felsensporn zu abweisend, um nicht wenigstens einen Wachturm darauf zu pflanzen. Und manchmal sogar mehr. So hockt etwa das ganze Dorf Sant' Antonino kühn wie ein Adlerhorst auf einer Felsnase hoch über den Tälern der Balagne - schon seit dem 9. Jahrhundert suchten die Insulaner hier Schutz, wenn Piraten die Küstenorte plünderten. Und noch heute kann man die engen Gassen, steilen Treppen und gewölbten Durchgänge nur zu Fuß erklimmen.

Ebenfalls auffällig - die vielen Sarazenentürme entlang der Küste. Die meist runden, manchmal viereckigen Signalbollwerke wurden jeweils in Sichtweite voneinander errichtet und dienten als effektives Frühwarnsystem ebenfalls dem Schutz vor Piraten. Wurden feindliche Schiffe ausgemacht, entzündeten die Wächter ein Feuer als Nachricht für die beiden Nachbartürme; in nur zwei Stunden soll eine solche Warnung um die gesamte Insel gegangen sein. Knapp 70 der einst über 100 Türme erzählen von diesen aufregenden Zeiten, und fast immer stehen sie an landschaftlich ausgesprochen reizvollen Flecken mit toller Aussicht. Sei es auf steil ins Meer abfallendem Felsen wie in Nonza mit Blick auf die wildromantische Westküste des Cap Corse. Sei es in unmittelbarer Gesellschaft zum Löwenkopffelsen in einem Massiv über der Bucht von Roccapina. Sei es als markanter Wächter im umwerfenden Panorama mit den vier „Blutinseln“ Iles Sanguinaires im Golf von Ajaccio. Oder sei es fast wie ein Schiffsbug in vorderster Front und zauberhafter Lage im Hafen von Porto.

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Vom Hauptort des gleichnamigen Golfes, den die UNESCO 1983 aus gutem Grund zum Weltnaturerbe erklärte, ist es nur ein Katzensprung bis zu einer weiteren umwerfenden Projektionsfläche für die Fantasie: der Calanche von Piana. Eine bizarre Felsenwelt aus rötlichem Granit, die 400 Meter über dem Meer direkt an der Küstenstraße liegt und in der Abendsonne scharlachrot glüht. Über Jahrtausende erschufen hier Wind, Salzluft, Regen und Sonne die wohl seltsamste und schönste Landschaft Korsikas. Da verbinden sich ein Schäfer und seine Holde zum „Herz der Verliebten“. Da beichtet ein knieender Mann einem Mönch in Kutte seine Sünden. Da blicken Indianer- und Frauenköpfe, Hexen und Eulen aus den Wänden. Da springt George Washingtons scharfes Profil aus dem Fels. Da flattern Adler und Truthahn mit den Flügeln. Da reißt ein Flusspferd sein breites Maul auf. Da ballert ein Terminator mit Laserwaffe in die Luft. Da steht ein Gehörnter bedrohlich am Weg.

Als Menagerie von Alpträumen beschrieb Dichter Guy de Maupassant die Tiere, Menschen, Teufel und Ungeheuer, die sich in diesem verwitterten Märchenwald tummeln und in dem jedermann nicht nur ganz typische, sondern auch seine ganz eigenen Bilder finden kann. Die Vorstellung der Natur in der Calanche von Piana jedenfalls ist schlicht und einfach hinreißend.

Anreise: Mit Lufthansa über Frankfurt nach Bastia. Mit Germanwings direkt von Berlin, Köln und Stuttgart. Transferzeit nach Bastia ca. 30 Minuten (regelmäßiger Bus-Shuttle).

Unterkunft: In Ajaccio, Bastia und Bonifacio gibt es Hotels aller Kategorien. Die Preise in der Sommer-Hauptsaison liegen meist deutlich über den Nebensaison-Angeboten, das Frühstück ist französisch-typisch eher spärlich.

Mietwagen: Alle großen Verleiher, Preis ab 200 Euro/Woche. Sprit stabil über 1,70 Euro/Liter.

Pauschalreise: Eine achttägige Inselrundreise „Korsika zum Kennenlernen“ inklusive Flug + HP gibt es bei Gebeco ab 1495 Euro.

Reiseführer: Dumont-Reisetaschenbuch „Korsika“ mit großer Karte, ISBN 978-3-7701-7262-7, 16,99 Euro.

Infos: www.franceguide.com; www.visit-korsika.com; www.gebeco.de.

Ekkehart Eichler, vom 06.02.2013 04:15 Uhr
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