Deutschlands Norden
Ein Wochenende in Hamburg

"Hamburg, meine Perle" singt Musiker und Moderator Lotto King Karl bei jedem Heimspiel des HSV im Stadion. Hier das passende Bild zur Hymne auf die Stadt, das jeden weiteren Kommentar überflüssig macht. Foto: Thomas Flügge
"Hamburg, meine Perle" singt Musiker und Moderator Lotto King Karl bei jedem Heimspiel des HSV im Stadion. Hier das passende Bild zur Hymne auf die Stadt, das jeden weiteren Kommentar überflüssig macht.Foto: Thomas Flügge

„Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise… bis nach Hamburg, da steig‘ ich aus...“ sang einst Hans Albers in einem seiner beliebtesten Gassenhauer. Längst kommen Besucher der Stadt nicht mehr nur mit dem Schiff – aber sie kommen in Scharen. Jährlich gibt es neue Gästerekorde, für 2014 rechnet man mit zwölf Millionen Übernachtungen. So dynamisch entwickelt sich der Tourismus in keiner anderen europäischen Metropole. In Hamburg, da duftet die Luft nach weiter Welt, besonders im Hafen.

Architektur gibt es zu bestaunen, von den Fachwerkhäusern der historischen Deichstraße über die vielen Jugendstilvillen rund um die Alster bis zur teuersten Baustelle der Stadt, der Elbphilharmonie, deren Kosten auf 800 Millionen Euro zusteuern.

So wird das Wetter in Hamburg

Ambitionierte Gastronomie lockt, egal ob Biocurrywurst-Bude oder Sterne-Küche. Das schrille Nachtleben ist legendär und auch fürs Shopping, egal ob im Flagshipstore großer Designermarken oder bei kleinen, feinen Manufakturen in trendigen Stadtvierteln gibt es Gelegenheit, die Kreditkarte zu strapazieren. Noch mehr gute Gründe für einen Besuch in der Hansestadt verraten wir hier.

Freitag

13 Uhr: Erst mal im Hotel einchecken. Tina Turner und Elton John haben hier geschlafen, auch Whitney Houston, Justin Timberlake, Lionel Ritchie und Anastacia. Die Liste prominenter Gäste im „Park Hyatt Hotel“ ist noch länger – aber nicht alle Stars sollen genannt werden. Auch weniger berühmten Gästen gefallen der exzellente Service und das schlicht-elegante Ambiente des Fünf-Sterne-Hauses mitten im Zentrum an der Haupteinkaufsmeile Mönckebergstraße. Wer mit Familie anreist, kann auch eines der 44- bis 196-Quadtratmeter großen Apartments buchen. Und wenn man nach einem erlebnisreichen Tag schlicht zu bequem ist, zum Dinner noch mal das Hotel zu verlassen, genießt man kreative regionale Spezialitäten aus der offenen Showküche des Restaurants „Apples“.

Mit dem The Westin Hotel hat die Hafen-City eine neue Luxusadresse hinzugewonnen. Direkt unter dem Dach der neuen Elbphilharmonie entspannen die Gäste in einem der 244 Zimmer und Suiten und genießen den atemberaubenden Blick auf den Hamburger Hafen. In bester Lage schafft das Hotel die perfekte Basis, um die Hansestadt ausgiebig zu erkunden.

Ahoi und schöne Träume! Das ist das Motto im „25hours Hotel Hafencity“. Das originelle Haus in Hamburgs neuem und sich schnell entwickelndem Viertel amüsiert mit vielen maritimen Details aus Hafen und Schiffsbau. Zum Beispiel Zimmer, die wie schicke Kajüten gestaltet sind. Die Sauna liegt im 6. Stock mit Freiluft-Ruheterrasse und Blick auf Schiffe. Wohnen in modernem Design und netter Service müssen nicht teuer sein. Das beweisen die vier Häuser von „Motel One“. Für Erkundungen der Innenstadt und des Amüsierviertels um die Reeperbahn liegt am günstigsten das Hotel beim Michel, Hamburgs Wahrzeichen und die bekannteste Kirche der Stadt.

14 Uhr: Zur Einstimmung auf die Stadt geht man zum Mittagsimbiss am besten an Hamburgs Flaniermeile Jungfernstieg, direkt an der Binnenalster. Im geschichtsträchtigen Alsterpavillon residiert das Bistro-Restaurant „Alex“. Bei gutem Wetter lässt sich wunderbar draußen essen. Das Ambiente vermittelt das Gefühl, in einem Strandlokal am Mittelmeer zu sitzen. Auf der Speisekarte stehen Baguettes, Suppen, Salate, Pasta und Steaks.

16 Uhr: Hamburg ist eine Stadt des Wassers. Und das nicht nur wegen des Hafens, der Elbe und dem kleineren Flüsschen Alster, das sich im Zentrum zur größeren Außenalster und zur kleineren Binnenalster staut. Warum also nicht eine erste Erkundung mit einem der traditionellen Alsterschiffe (www.alstertouristik.de) unternehmen? Der Anleger liegt nur ein paar Schritte neben dem Restaurant. Routen gibt es verschiedene: kreuz und quer über die Außenalster, auf den Fleeten, die Binnenalster und Hafen verbinden und sogar spezielle Törns für Yoga-Fans. Die reizvollsten Winkel der Stadt entdeckt man auf einer Kanalfahrt. Verwunschen schöne Jugendstilvillen und ihre Gärten am Wasser, auf die man sonst keinen Blick erhaschen kann. Wer aktiver sein will und die Strecke gern selbst bestimmt, mietet sich ein Kanu oder Kajak (www.bootsvermietung-dornheim.de) oder setzt sogar Segel. Bei Bobby Reich (www.bobbyreich.de) gibt es Jollen stundenweise zu mieten – und nachher stärkt man sich bei Kaffee und Kuchen auf dem Bootssteg.

20 Uhr: Sie mögen Kochshows und sind mit Hamburgs TV-Köchen vertraut? Dann schmecken Sie bei den Helden am Herd doch mal persönlich hinein. Grillkost de luxe bekommen Sie bei „Rach & Ritchy“ (www.rach-ritchy.de) im Stadtteil Bahrenfeld. In dem Lokal – unter anderem Namen – begann Christian Rach schon vor 25 Jahren seine Küchen-Karriere. Sterne-Köchin Cornelia Poletto hat auf ihre Michelin-Auszeichnung verzichtet und führt jetzt ein kleines, charmantes italienisches Eck-Restaurant mit angeschlossenem Feinkostladen, das „Cornelia Poletto“ (www.cornelia-poletto.de) in Eppendorf. Tim Mälzer, zuweilen als Rockstar unter den Köchen tituliert, bietet Kräftig-Deftiges in seiner „Bullerei“ (www.bullerei.de) im Schanzenviertel. Das Restaurant ist in der ehemaligen Viehhalle des Schlachthofes untergebracht. Das erklärt den Namen und entsprechend fleischlastig fällt auch die Speisekarte aus. Feiner und leichter isst man bei „Henssler & Henssler“ (www.hensslerhenssler.de) in der Nähe des Fischmarktes. Passend zur Umgebung bringt Steffen Henssler Meeresgetier, auch in Form von Sushi, auf den Tisch.

22 Uhr: Nachtschwärmer werden jetzt langsam munter. Immer noch das Ziel fürs Amüsement ist natürlich der Kiez. Das Viertel zwischen Millerntorplatz und Holstenstraße zieht jedes Wochenende Hunderttausende Besucher an. Die unvergleichliche Mischung aus Kneipen, Discos, Bars, Spielhallen, Bordellen und Sex-Shops, Theatern und Musicals im nächtlichen Glitzerlicht verführt so manchen Besucher zu ausgiebigen Streifzügen. Eine besonders unterhaltsame Art ist eine geführte Tour mit Deutschlands bekanntester Drag Queen Olivia Jones, die schon im „Dschungelcamp“ für Furore sorgte. In knapp zwei Stunden lotst die selbsternannte „Königin vom Kiez“ ihre Gäste durchs bunte Treiben auf St. Pauli. Bei flotten Sprüchen, sündigen Sehenswürdigkeiten und schrägen Anekdoten vergeht die Zeit wie im Flug. Zum Schluss gibt’s ein Abschieds-Schnäpschen plus Erinnerungsfoto in Olivias Bar. Rechtzeitig reservieren (www.olivia-jones.de)!

Samstag

10 Uhr: Zeit, ein bisschen Geld auszugeben. Die Straßen und überdachten Passagen zwischen Jungfernstieg und Stadthausbrücke sind das richtige Einkaufsrevier, wenn Sie die Mode großer Designermarken schätzen oder gediegene hanseatische Adressen suchen. Wie etwa Brahmfeld & Gutruf, Juweliere seit 1743 am Neuen Wall 18, das legendäre Buchantiquariat Felix Jud ein paar Häuser weiter am Durchgang zu den Alsterarkaden oder feinste Schreibwaren und Lederaccessoires bei Bethge an der Hohe Bleichen 25. Lifestyle-Artikel in spezialisierten Läden und Boutiquen findet man um die Milchstraße in Pöseldorf und im schicken Stadtteil Eppendorf an der Eppendorfer Landstraße und am Eppendorfer Baum.

Avantgardistisches und Flippiges zum Anziehen bieten kleine Labels und Geschäfte im Karolinen- und im Schanzenviertel. Wenn Sie ein für Männer wie Frauen originelles und kleidsames Hamburg-Souvenir brauchen: Besuchen Sie mal den letzten Mützenmacher der Hansestadt, Lars Künzel in der Steinstraße 21. Ein traditioneller handgefertigter „Elbsegler“ steht jedem.

12 Uhr: Hamburg hat rund 50 Museen, die sich teilweise sehr speziellen Themen widmen wie Gewürzen, U-Booten, dem Zoll oder dem größten Parkfriedhof der Welt. Wer sich für Ausstellungen interessiert, die einen Bezug zur Stadt haben, der muss zuerst ins Hamburg Museum (Holstenwall 24). Neben Modellen zur Stadtentwicklung und über die Hafen- und Handelsgeschichte mit zum Teil begehbaren Exponaten wie dem Laderaum einer Hansekogge ist auch der mutmaßliche Schädel von Deutschlands berühmtestem Piraten Klaus Störtebeker zu sehen. Ein besonderes Kapitel der Stadtgeschichte ist die Zeit zwischen 1850 und 1934: Etwa fünf Millionen Menschen aus Deutschland und vor allem Osteuropa nutzten das „Tor zur Welt“, den Hamburger Hafen, um auszuwandern. In der „Ballinstadt“ (Veddeler Bogen 2), installiert in ehemaligen Auswandererhallen, werden alle Stationen der Emigration anschaulich dargestellt. Man kann an Computern auch selbst in der Datenbank nach der Geschichte seiner ausgewanderten Vorfahren recherchieren. Eine von Hamburgs wichtigsten Touristenattraktionen ist das „Miniatur Wunderland“ (Kehrwieder 2-4). Die größte Modelleisenbahnanlage der Welt wurde in der historischen Speicherstadt auf etwa 1300 Quadratmetern aufgebaut. 930 Züge kurven über 13 Kilometer Gleise. Allein 215.000 Figuren wurden platziert und 3660 Bauwerke. An 50 Schaltern kann man selbst originelle Szenen und Effekte auslösen, etwa einen Hai, der einen Taucher verfolgt.

14 Uhr: Einen schönen Hafenblick hat man in der Brasserie „Carls an der Elbphilharmonie“ (Am Kaiserkai 69). Eingerahmt vom Traditionsschiffhafen auf der einen, dem künftigen schwimmenden Markt auf der anderen Seite und gleich vis-à-vis von der Elbphilharmonie probiert man norddeutsche Küchenklassiker mit französischen Akzenten. Spezialitäten sind geräucherter Ostsee-Aal, Pannfisch mit Senfsauce und Bratkartoffeln oder Boeuf Bourguignon mit Schnittlauchpürree. Einige Gerichte gibt es auch in kleinen Portionen.

15 Uhr: Die bequemste Art, Hamburg kennenzulernen, ist die bei einer Doppeldecker-Bustour (www.die-roten-doppeldecker-de). Das Konzept ist schon in vielen anderen Städten erfolgreich: Nach Belieben kann man an den 28 Stationen ein- und aussteigen und sich so den ganzen Tag Zeit lassen, die Innenstadt zu erkunden. Etwa die herrlichen Villenstraßen entlang der Alster zu befahren oder die Reeperbahn, Hafencity und die traditionelle Speicherstadt sehen. Zum Tagesticket gehört auch ein Fahrschein für eine einstündige Hafenrundfahrt.

18 Uhr: Jetzt aber eine kleine Erholungspause nach den vielen Eindrücken. Am besten mal ein Stündchen im Nivea-Haus (Jungfernstieg 51, Tel. 040 / 82 22 47 40) abtauchen. In exponierter Lage mit Blick auf die Binnenalster wird hier nicht nur Hamburgs Exportschlager, der berühmten Creme in der blauen Dose gehuldigt. Auf drei Etagen kann man sich mit allen anderen Produkten des Kosmetik-Unternehmens Beiersdorf rundum verwöhnen lassen. Eine belebende Fußmassage, eine erfrischende Gesichtsbehandlung oder doch besser gründlich Nacken und Schultern lockern? Im Spa-Menü findet sich das richtige Verwöhnangebot zu fairen Preisen. Da die Nachfrage groß ist, lohnt es sich, frühzeitig einen Termin zu vereinbaren.

23 Uhr: Nach dem Dinner passt noch ein Höhepunkt: Der ist zu finden in der 20. Etage des Empire Riverside Hotels (Bernhard-Nocht-Str. 97). Die Bar „20up“ in 90 Metern Höhe bietet den wohl spektakulärsten Ausblick auf die Stadt und über die Elbe. Bei Cocktails und Knabbereien bestaunt man durch die 7 Meter hohen Panoramascheiben das glitzernde Treiben im Hafen und in den Straßenschluchten und fragt sich, wieso man je nach New York wollte.

Sonntag

11 Uhr: Nanu, liegt Positano neuerdings an der Elbe? Das mag so mancher Hamburg-Besucher verwundert denken, wenn er mit der „Elb-Hüpfer“-Fähre (www.hadag.de) von den Landungsbrücken am Hafen nach Blankenese fährt und der Süllberg auftaucht. Die Ähnlichkeit mit dem malerischen Küstenort am Mittelmeer ist verblüffend. Ach was! Hier ist es noch viel schöner, weil viele Bäume grüne Tupfer in die postkartenschöne Szenerie setzen. Steigen Sie am Anleger Blankenese aus und spazieren Sie durchs Treppenviertel. Die pittoresken ehemaligen Häuser von Kapitänen, Lotsen und Fischern stapeln sich eng gedrängt den Süllberg hinauf, nur verbunden durch Fußwege und zahlreiche Treppen. Fotomotive gibt es viele in dieser fast dörflichen Idylle.

13 Uhr: Darf's zum Abschied etwas ganz Besonderes sein? Dann speist man am schönsten und besten im legendären Restaurant des Luxushotels „Louis C. Jacob“ (www.hotel-jacob.de) an der Elbchaussee, nur durch eine Treppe vom Elbuferweg getrennt. Der Impressionist Max Liebermann verewigte die Lindenterrasse des Hauses mit ihrem einmaligen Elbblick. Heute hängt dieses Bild in der Hamburger Kunsthalle, einige andere Werke des Künstlers sind sogar im Hotel zu sehen. Bei warmem Wetter gibt es keinen stimmungsvolleren Platz für kulinarische Genüsse als diesen baumbeschatteten zauberhaften Fleck. Was sich gewollt schlicht liest auf der Karte der Zwei-Sterne-Küche – zum Beispiel Angel-Steinbutt an der Gräte gebraten, eine Komposition aus Salzwiesenlamm, Kirchererbsen und Feigen oder das Champagnerparfait mit Himbeeren und Baiser – schmeckt einfach sensationell. Dass die überaus gewandten Mitarbeiter im Service das Erlebnis vollkommen machen, versteht sich von selbst.

Heike Weichler, vom 28.03.2017 10:06 Uhr
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