Der Oman
Paradies auf der Arabischen Halbinsel

Der Khor Najd-Fjord auf der omanischen Musandam-Halbinsel. Foto: shutterstock/Cristian Andriana
Der Khor Najd-Fjord auf der omanischen Musandam-Halbinsel.Foto: shutterstock/Cristian Andriana

Sie haben es gerade abgebaut, die breiten weißen Bahnen eingerollt, das Gestänge wieder verstaut, die wertvollen Teppiche weggeschafft, die Möbel verladen: Fast einen Monat lang hat der Bruder des Herrschers von Abu Dhabi hier am Khor Najd-Fjord im Nachbarland Oman in seinem Zelt auf dem breiten Felsplateau gecampt - in allem Luxus zwar und mit einer Heerschar Helfer, aber in der Wildnis, am Ende einer schmalen, schlecht befestigten Straße.

So wird das Wetter

Der Mann kommt jedes Jahr hierher. Er könnte sich die größte Suite in jedem Hotel der Welt leisten, aber manchmal, da zeltet er lieber: weil er von hier aus den wahrscheinlich schönsten Ausblick genießen kann, den die arabische Halbinsel zu bieten hat - hinab auf die tief eingeschnittenen Fjorde von Musandam, die von über tausend Meter hohen rotbraunen Bergen gesäumt sind. Hinab auf einsame Fischerboote. An klaren Tagen kann er sogar die gegenüber liegende iranische Küste in gut sechzig Kilometer Entfernung erahnen. Und unten in den Wellen tanzen derweil Delfine, in der Luft segeln Greifvögel auf den Böen und hinter dem Kamm im Rücken grasen ein paar Ziegen. Nichts lässt eine Festlegung auf Jahre oder gar Jahrhunderte zu, alles sieht aus wie seit Ewigkeiten: als ob die Musandam-Halbinsel an der Straße von Hormuz außerhalb der Zeiten existiert - es sei denn, am Horizont strebt gerade die Silhouette eines Tankers durch den Dunst dem Indischen Ozean entgegen.

Die Wolkenkratzer von Abu Dhabi und Dubai sind fern, die zehnspurigen Stadtautobahnen, blinkenden Leuchtreklamen, die Mega-Einkaufscenter und Erdöl-Verlade-Terminals, die Containerhäfen und Riesen-Airports - obwohl die omanische Exklave Musandam nur etwa 250 Kilometer von Abu Dhabi, gut 150 von Dubai entfernt ist.

Hier macht die Oberschicht Urlaub

Die Einheimischen der Oberschicht aus den Emiraten suchen solche Orte. Sie sehnen sich zwischendurch nach dieser Stille, und es ist, als pilgerten sie durch die Zeiten zurück in die Welt ihrer Väter - ins Damals, als solche Felsplateaus die Wohnzimmer ihrer Ahnen waren, alle barfuß liefen und abends ums Lagerfeuer saßen. Nur der Wind kam zu Besuch, und die Ruhe regierte. Sie tragen die Sehnsucht danach noch immer in sich, weil sich hier Leben in so rasendem Tempo verändert hat, dass man mit den Sinnen kaum hinterherkam.

An Stellen wie dieser spielen die Kindheitserinnerungen der Älteren, die Geschichten der Großeltern, sogar die Märchen. Und anders als in den boomenden Emiraten bewahrt der Herrscher des Oman diese Vergangenheit. So sehr sogar, dass jene Nachbarherrscher zum Auslandsurlaub herkommen. Mit ihren Zelten. Und reichlich Gefolge.

Sultan Qaboos hat sein Land binnen eines halben Menschenlebens aus dem Mittelalter in größten Wohlstand geführt, hervorragende Infrastruktur geschaffen und ist dennoch bei den arabischen Wurzeln geblieben. Die simple Formel lautet: Wohlstand? Gern. Rekordjagd? Nein. Natur schützen, authentische Kultur pflegen, arabische Identität bewahren? Unbedingt.

Bis 1970 war das Land strikt abgeschottet. Damals gab es zehn Kilometer asphaltierte Straße und drei Schulen, heute sind selbst entfernte Oasen über gut ausgebaute Straßen erreichbar und verfügen jede für sich über eine eigene Schule.

Helge Sobik, vom 03.05.2017 13:32 Uhr
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