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Der Ätna auf Sizilien
Gute Mutter mit schlechten Angewohnheiten

Der Vulkan Ätna: Gute Mama mit schlechten Angewohnheiten.  Foto: Maren Recken
Der Vulkan Ätna: Gute Mama mit schlechten Angewohnheiten. Foto: Maren Recken

„Für die Sizilianer ist der Ätna wie eine Mutter. Einerseits gibt sie ihren Kindern unendlich viel. Andererseits teilt sie ab und an Ohrfeigen aus“, erzählt Salvo Giammanco. Und er muss es wissen. Seiner sizilianischen Abstammung wegen und seines Berufs wegen. Als Vulkanologe am Nationalen Institut für Geophysik und Vulkanologie  - INGV -  in Catania überwacht und erforscht er den Ätna. Momentan gibt es einiges zu beobachten. Seit Anfang des Jahres ist Mama Vulkan bereits so manches Mal die Hand ausgerutscht: Mehrere Eruptionen mit  Auswürfen von Lavafragmenten und Austritten von Lavaströmen. Ohne Zerstörung bewohnter Gebiete, aber mit Zugangsbeschränkungen  für die betroffene Zone im Gipfelbereich.

Mama Vulkan. Die Gute, die im Überfluss gibt. Auf den fruchtbaren Böden ihrer Hänge gedeihen Weinstöcke, Zitrusfrüchte und Olivenbäume ebenso wie Esskastanien, Eichen, Buchen oder Birken. Eine schier unendliche Pflanzenvielfalt, von subtropisch bis subarktisch. Gleichzeitig Mama Vulkan, die Unberechenbare, die Respekt einfordert. Die in roten Explosionsfontänen heißes Gestein aus dem Erdinneren an die Oberfläche schleudert. Die zerstörerische Lavaströme ins Tal schickt.

 „Wir sind sicher, dass noch eine weitere Eruption kommt, aber wir wissen noch nicht wann und in welcher Form. Der Vulkan kann seinen Aktivitätsstatus ganz kurzfristig ändern und wir wissen immer nur einige Stunden vorher was passiert“, erklärt Salvo Giammanco. Wie als Bestätigung seiner Worte zeichnen die Überwachungsinstrumente des INGV einige Tage später – Anfang Juni -  sogenannte „hot spots“ im Gipfelbereich des Südostkraters und Erdbeben in Tiefen von mehr als 15 km auf. Ein Beweis dafür, dass weitere Magma aufsteigt.

Europas höchster Vulkan

Der höchste aktive Vulkan Europas brachte es im Februar 2017 am Nordostkrater auf 3329 m Höhe. Nach den aktuellen Ausbrüchen rechnen die Vulkanologen damit, dass der aktive Südostkrater durch die austretende Lava an Höhe gewonnen hat und zum höchsten Punkt des Ätnas wurde. Offizielle Messungen stehen noch aus. Eines aber ist sicher: Mama Ätna lebt und Mama Ätna fasziniert. Wer einmal hier war, möchte wieder kommen. Die Autorin eingeschlossen.

Strahlend blauer Himmel über schwarzen Lavafeldern aus denen blütenweiße Schneefelder gleißen. Bei einem ersten Besuch im Herbst 2015  begeistert der starke Farbkontrast der Vulkan-Wüste am Ausbruchskrater von 2002. Die Touristengruppe, die der Bergführer am Kraterrand entlang führt, wirkt wie eine Scherenschnitt-Karawane vor dem Himmelblau. Es ist still. Der Blick schweift ins Tal in Richtung Meer. Der Wind ist hier oben empfindlich kühl. Die Wanderer ziehen die Jackenkragen enger. Gleichzeitig kriecht von unten die Wärme des Vulkans durch die Schuhsohlen. Es braucht, bis ein nicht mehr aktiver Seitenkrater auch in tieferen Schichten erkaltet. Selbst über 15 Jahre nach dem Ausbruch dieses Seitenkraters sorgt der Berg an manchen Stellen noch für wohlig warme Füße. Und die Dampfschwaden, die aus den Erdrissen wabern, schicken kleine Dampfwölkchen aus dem Vulkaninneren an die Oberfläche.

Maren Recken, vom 12.06.2017 11:09 Uhr
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