Dänemark
Wasser umarmt die Inselwelt

Die Stadt Svendborg ist mit rund 27.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt auf der Insel Fünen.  Foto: shutterstock/goodcat
Die Stadt Svendborg ist mit rund 27.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt auf der Insel Fünen. Foto: shutterstock/goodcat

„Bye til i morgen“, rufen die Schulkinder Kapitän Jacob Søndergaard zu, als sie am Nachmittag auf Skarø die Fähre ‚Højestene‘ verlassen. Freja, Mads und Mikkel werden noch bis zur nächsten Anlegestelle in Drejø beim Kapitän im Steuerhaus zu Gast sein.

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Jeden Tag machen die Schüler auf der 75-minütigen Überfahrt von Svendborg, wo sie zur Schule gehen, hinaus auf ihre Heimatinseln ihre Hausaufgaben. Søndergaard kennt alle seine Passagiere. „Ich mag den persönlichen Kontakt. Immer wieder bringen mir Fahrgäste ein Stück Kuchen ans Steuer. Von mir bekommen sie frisch gekochten Kaffee“, sagt der Kapitän, der selber in Svendborg, der mit 27.000 Einwohnern zweitgrößten Stadt auf Fünen lebt.

„Die Menschen auf Fünen sind sehr ‚hyggelig‘“, sagt der 58-Jährige. Nein, ‚hyggelig‘ bedeute nicht hügelig. ‚Hyggelig‘ sei das dänische Lebensgefühl schlechthin. „Übersetzt bedeutet das ‚gemütlich‘“, erklärt der Fährmann. „Wir Dänen sind gesellig und lieben es, zu feiern.“

Enges Miteinander

Auf der 426 ha großen Insel Drejø leben lediglich 70 Menschen, auf der zwei Quadratkilometer großen Schwesterinsel Skarø nur 35. Kein Wunder, dass das Zusammenleben der auf den kleinen vor Svendborg gelegenen Inseln sehr persönlich ist.

Im Sommer bringt Søndergaard auch Tagestouristen von Svendborg hinüber auf die beiden Inseln. „Sie kommen wegen der besonderen Inselgemeinschaft“, sagt der Kapitän, der sein Fährschiff fünf Mal täglich nach Drejø und Skarø steuert. Søndergaards bedient im südfünischen Inselmeer aber nur eine von über 50 Fährverbindungen in Dänemark.

Beim Blick auf die Landesgrenzen wird klar, dass hier Schiffspassagen wie anderswo Zug- oder Busverbindungen zum öffentlichen Personennahverkehr gehören: 7314 km Küstenlinie trennen sowohl das dänische Festland (Jütland), wie auch die unzähligen größeren und kleinen Inseln von der Nord- oder Ostsee. Insgesamt gehören mehr als 1400 Inseln zu Dänemark. Lediglich 75 Inseln von ihnen sind bewohnt. 400 Inseln haben zumindest einen Namen.

Überall im Land hat man das Gefühl, vom Wasser umarmt zu sein. Tatsächlich gibt es keinen Ort in Dänemark, der mehr als 52 Kilometer vom Meer entfernt ist. Schnell gewinnt man den Eindruck, in Dänemark gebe es nur die Küste, das Meer, die Dünen und Leuchttürme.

Insel-Hopping-Ticket lohnt

Das gilt auch für Fünen und die etwa 90 Inseln rundherum. Das besondere Flair der südfünischen Inselwelt lässt sich gut mit dem Insel-Hopping-Ticket erkunden. Von Faaborg, der anderen größeren Hafenstadt im Süden der Hauptinsel, können Urlauber mit einem 30 Euro-Ticket die Inseln Bjørnø, Lyø und Avernakø ansteuern. Die märchenhafte Insel Ærø bildet den südwestlichen Abschluss der Inselwelt vor Fünen.

Zwölfmal täglich steuert eine Fähre von Svendborg kommend das 88 km‘ große Eiland an. Das puppenstubenhafte Ærøskøbing mit ihren engen, verwinkelten Gassen und denkmalgeschützten Fachwerkhäusern des 17. und 18. Jahrhunderts ist das historische Zentrum der Insel. Kein Feriengast vergisst, das Puppenhaus (Dukkehuset) zu fotografieren. Angesichts der märchenhaften Kulisse vergisst man schnell, dass der Ort kein Freilichtmuseum ist…

Freilich sind da auch die „ganz gewöhnlichen“ Inseln, so wie die der Fünen vorgelagerten Halbinsel Helnæs. Ein fast drei Kilometer langer Damm führt von der Hauptinsel herüber auf das Eiland Helnæs im Lillebælt. Überragt wird die charmante Halbinsel von einem 1900 erbauten Leuchtturm. Mit seinen 28 Metern ist ‚Lindehoved Fyr‘ fast genauso hoch, wie der höchste Punkt der Insel.

Toskana-Kenner werden beim Anblick stutzig: ja, der Turm ist eine kleine Kopie des Torre del Mangia aus Siena. Der Eintritt von 10 Kronen ist gut angelegt, ermöglicht er doch eine fantastische Sicht auf Helnæs. Überhaupt sind die Leuchttürme ideale Aussichtspunkte auf die dänische Küste.

Märchenhafte Freizeitattraktion

Fünen selbst ist als drittgrößte Insel des Königreiches fast märchenhaft – gerade für Radfahrer. Die größte Freizeitattraktion ist Schloss Egeskov, das immer noch von Graf Michael Ahlefeldt-Laurvig-Bille und seine Familie bewohnt ist. 200.000 Menschen kommen jedes Jahr zum Schloss und in den angeschlossenen Freizeitpark.

„Das 460 Jahre alte Schloss aus der Zeit der Renaissance zählt zu den schönsten Wasserschlössern Europas und ist das wohl schönste der insgesamt 123 Schlösser und Herrensitze auf Fünen“, sagt Sandra Schneider Neelmeyer, eine Deutsche, die die seit vielen Jahren auf Fünen lebt und lieben gelernt hat.

Die größte Attraktion Fünens lockt aber nicht nur als architektonisches Kleinod, sondern vor allem auch wegen des grandiosen Landschaftsgartens und dem großen angeschlossenen Freizeitpark mit Spielmöglichkeiten, Irrgarten, Baumwipfel-Pfad und Museum.

Nicht nur Mädchenherzen schlagen hier höher, wenn sie im Schloss Egeskov ‚Titanias Palast‘, die prunkvolle Residenz einer Elfenkönigin bestaunen. Das überdimensionale Puppenhaus mit seinen tausenden von Miniaturen ist das größte der Welt. Einfach märchenhaft … wie überhaupt die gesamte Insel.

Das verwundert nicht weiter, weil im Hauptort Odense der dänische Dichter Hans Christian Andersen geboren wurde. In der drittgrößten Stadt Dänemarks ist noch heute in den schmalen Gassen der Altstadt das Echo des berühmten Märchendichters zu vernehmen.

Sven Hollerich, vom 26.09.2017 10:31 Uhr
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