CMT in Stuttgart
Trend Outdoor - diese Typen haben es drauf

In unserer Bildergalerie wagen wir eine nicht ganz ernst gemeinte Typologisierung der verschiedenen Outdoor-Begeisterten. Los geht es mit dem Einzelkämpfer: Einsame Wege sind sein Ziel. Er kämpft sich durch die Wildnis der Wälder und die brachialen Berge. Bei unbedarften Wanderern kann er einen großen Schrecken auslösen, wenn er sich plötzlich durch ein ... Foto: Shutterstock/My_Good_Images
In unserer Bildergalerie wagen wir eine nicht ganz ernst gemeinte Typologisierung der verschiedenen Outdoor-Begeisterten. Los geht es mit dem Einzelkämpfer: Einsame Wege sind sein Ziel. Er kämpft sich durch die Wildnis der Wälder und die brachialen Berge. Bei unbedarften Wanderern kann er einen großen Schrecken auslösen, wenn er sich plötzlich durch ein ...Foto: Shutterstock/My_Good_Images

Klettern, Mountainbiken, Wandern, Raften - auch bei der CMT 2013 in Stuttgart dreht sich viel um "aktiv und draußen". Doch viele Menschen erheben die Naturerfahrung heute zum Event. Unter der Bezeichnung „Outdoorsport“ geht da gar nichts mehr. Da wird die Natur schnell zur „Kulisse“, wie Till Hopf vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) feststellt.

Trotzdem kann die neue Naturhinwendung dazu beitragen, Mensch und Umwelt wieder zu versöhnen, findet Hopf. Wie kann das gehen? Wir haben den Experten für Naturschutz des Nabu gefragt und er konnte gute Tipps zum naturverträglichen Outdoorsport geben, bei dem der Spaß trotzdem nicht zu kurz kommen muss.

Außerdem gibt's was zum Schmunzeln - in unserer Bildergalerie werfen wir einen nicht ganz ernst gemeinten Blick auf die verschiedenen Outdoor-Typen.

Herr Hopf, welche Outdooraktivitäten machen der Umwelt am meisten zu schaffen und warum?

Zum Einen natürlich all jene, die Anlagen bezogen sind, für die also eine besondere Infrastruktur gebaut und vorgehalten werden – bestes Beispiel ist hier sicher der Alpinskilauf mit seinen Pisten und Liftanlagen. Zum Zweiten solche Aktivitäten, die in großen Gruppen ausgeübt werden und dadurch einen größeren Einfluss auf Natur und Landschaft haben als individueller Naturgenuss. Und drittens ganz klar all das, was in der Nähe oder sogar mitten in empfindlichen Gebieten stattfindet, also dort, wo besonders leicht und schnell Beeinträchtigungen auftreten können.

Viel mehr noch als das "Was" stehen also das "Wie" und das "Wo" im Vordergrund. Liegt das am mangelnden Bewusstsein oder ist das ein Problem der Sportarten selbst?

Natürlich gibt es Sportarten, die von ihren Umweltauswirkungen her problematischer sind als andere: Stellen Sie sich zwei klassische Wanderer auf einem befestigtem Weg im Vergleich zu einer Gruppe Skifahrer abseits der Piste im Wald vor. Letztendlich gibt es aber fast immer Wege zu einer naturverträglichen Sportausübung. Man muss sich nur eben bewusst machen, welche Auswirkungen das eigene Handeln auf die Natur hat oder zumindest haben kann.

Welche Gruppen verhalten sich besonders vorbildlich?

Es gibt immer solche und solche, daher wäre es verkehrt, hier eine einzelne Gruppe herauszuheben. Ob Klettern, Paddeln, Mountainbiken - überall gibt es schwarze Schafe, aber eben auch viele Aktive, die sich durchaus umsichtig verhalten. In einer Gruppe oder in einem Verein organisierte Sportler lassen sich insofern besser erreichen, als dass es leichter ist, Ihnen Informationen zu angepasstem Verhalten zukommen zu lassen. Bei individuell Aktiven ist das natürlich schwieriger, hier muss schon ein gewisses persönliches Interesse an der Thematik bestehen.

Was sollte allgemein beachten, wer in der Natur unterwegs ist?

Das schwedische Jedermannsrecht steht unter der Maxime "ej störa, ej förstöra", also nicht zu stören und nichts zu zerstören. Das finde ich sehr anschaulich. Im englischen Sprachraum gibt es dazu den sehr einprägsamen Leitspruch "do nothing leave but footprints, do nothing take but photographs" - auch wenn natürlich an einem Extremstandort wie z.B. einem Felsvorsprung auch schon ein Fußabdruck großen Schaden anrichten kann, wird hier eine klare Richtung vorgegeben: Sich umsichtig verhalten, nichts aus der Natur mitnehmen, aber auch keinen Müll zurück lassen.

Ganz wichtig: bereits vor einer Tour informieren, wo es sensible Gebiete gibt, die man am besten umgehen sollte, so werden problematische Situationen bereits im Vorhinein vermieden.

Darf man in Deutschland etwa sein Zelt am Wegesrand aufschlagen?

In der Regel nicht. Allerdings ist dies in den Gesetzen der Bundesländer, also in den Landeswald- und Landesnaturschutzgesetzen geregelt, so dass es geringfügig abweichende Vorgaben geben kann. Am besten ist es also, direkt nachzufragen, so vermeidet man nicht nur Konflikte mit dem Naturschutz, sondern auch mit Grundeigentümern. Oft gibt es übrigens auch Naturzeltplätze oder naturnahe Rastgelegenheiten in schöner Lage, an denen man ganz legal fast wie "wild" zelten kann und dennoch nicht auf ein Mindestmaß an Infrastruktur (Stichwort Toilette!) verzichten muss.

Wie ist das mit Feuer machen, Notdurft verrichten oder baden im See oder Fluss?

Das lässt sich nicht so einfach pauschal beantworten, meist kommt es auf die Situation an. Feuer machen ist in Wäldern und deren Umkreis grundsätzlich verboten, aber auch außerhalb dieses Bereichs kann es Probleme geben. Daher am besten auf ausgewiesene Feuerstellen zurückgreifen.

Die Notdurft sollte sicher nur in tatsächlicher Not draußen verrichtet werden, und für das Baden gibt es vielfach ausgewiesene Badestellen. Dort kann man dann auch sicher sein, dass die Wasserqualität gut ist und keine Gesundheitsgefährdungen z.B. durch zu hohe Keimbelastungen bestehen, was insbesondere im Sommer immer mal wieder vorkommt in Deutschland.

Eigentlich selbstverständlich, aber gerade deshalb erwähnenswert, dass Schutzgebiete natürlich tabu sind, außer es gibt explizit anders lautende Regelungen.

Kann der Outdoorsport (oder gelegentlich auch Natursport genannt) zu einem besseren Verhältnis zwischen Mensch und Natur bzw. zu einem Bewusstsein für die Schönheit und den notwendigen Schutz der Natur führen?

Ja, ganz ohne Frage. Der Kontakt mit und die Aktivität in der Natur können zum Verständnis beitragen, dass diese wertvoll ist und bewahrt werden muss. Dabei geht es dann vielleicht nicht nur um einzelne Arten - obwohl natürlich auch das möglich ist -, sondern besonders auch um die Schönheit und Vielfalt der Natur in ihrer Gesamtheit. Denken Sie an Bergwanderer, die durch ihre Beobachtungen unterwegs ein Verständnis für den Schutz der Steinböcke oder des Steinadlers entwickeln, aber auch des Alpenraums als ganzem, oder an Mountainbiker und Jogger, die sich für den Erhalt eines lokalen Grünzugs im Ballungsraum einsetzen, den sie kennen und schätzen gelernt haben und der nun für eine Straße weichen soll.

Wie müsste ein Outdoorsport, der das erreicht, aussehen?

Er darf die Natur nicht nur als reine Kulisse verstehen, sondern muss sich auch auf sie einlassen. Es muss Zeit und Muße bleiben für einen intensiven Kontakt, für kleine Beobachtungen am Wegesrand. Wer im Frühling zur Abwechslung mal ohne IPod im Ohr im Stadtwald joggen geht und dadurch die Vögel zwitschern hört, wer sich als Wassersportler im wahrsten Wortsinne einfach mal treiben lässt und so den Biber nicht verscheucht, sondern beobachten kann, der wird umgehend fasziniert sein von der Schönheit und Einzigartigkeit unser Natur.

Matthias Ebbertz, vom 11.01.2013 04:02 Uhr
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