Ballonfestival 2013
Schwerelos übers Tannheimer Tal gleiten

Stimmungsvoll wird es im tannheimer Tal vom 8. bis 15. Januar 2013: Dann findet wieder das alljährliche, nächtliche Ballonglühen in Jungholz und Tannheim statt, bei dem die Ballons am Boden bleiben und zu musikalischen Klängen wie Lampions vom Brenner erleuchtet werden.  Foto: Axel Baumann
Stimmungsvoll wird es im tannheimer Tal vom 8. bis 15. Januar 2013: Dann findet wieder das alljährliche, nächtliche Ballonglühen in Jungholz und Tannheim statt, bei dem die Ballons am Boden bleiben und zu musikalischen Klängen wie Lampions vom Brenner erleuchtet werden. Foto: Axel Baumann

Die vordere Lasche ein wenig strammer gezogen, schon hat Sepp Sint seine roten Schneeschuhe unter die Wanderstiefel geschnallt. Eine kleine Gruppe schweizer und deutscher Touristen macht es ihm nach. Monströs sehen sie aus, die Aluminium-Kunststoffgestelle, aber im Tiefschnee kommt man mit ihnen wunderbar voran ohne einzusinken. „Geht einfach ganz normal vorwärts“, sagt Sepp. Ein wenig breitbeinig macht sich die Gruppe im Gänsemarsch hinter dem Bergwanderführer auf den Weg. Von Schattwald im Tannheimer Tal in Tirol geht es über schneebedeckte Felder und Hügel zum Vils-Stausee. Teleskopstöcke helfen, die Balance zu halten. „Wenn Neuschnee gefallen ist, hat es der erste am schwersten“, erklärt Sepp: „Alle weiteren können der Spur folgen.“ Da der Rahmen des Schneeschuhs nach hinten offen ist, rutscht der Schnee bei jedem Schritt nach hinten ab und blockiert den Schuh nicht. „Schon um 1900 war mein Vater mit Schneeschuhen unterwegs“, erzählt der ehemalige Zöllner: „Für Touristen gibt es das Schneeschuhwandern im Tannheimer Tal seit den 1970er Jahren. Damals waren es noch riesige Bambusschuhe.“

Keine Wolke trübt den blauen Himmel. Die Sonne lässt glitzernde Sternen auf dem gefrorenen Schnee tanzen. Die hinterlassenen Spuren der Schneeschuhwanderer sind nicht die einzigen. Immer wieder kreuzen Fährten von Hirschen, Rehen und Hasen den Weg. Zwischen den Wiesen verläuft eine Langlaufloipe, auf der reger Betrieb herrscht. „Der Vorteil des Schneeschuhwanderns ist, dass man nicht immer die Spur halten muss“, meint Carola aus Zürich: „Eine tolle Alternative zum Langlauf, bei der man auch ganz schön ins Schwitzen kommt.“

Wer Remmidemmi und gigantische Diskos für Après-Ski sucht, der ist hier falsch

In den sechs Ferienorten des Tannheimer Tals, Grän-Haldensee, Nesselwängle-Haller, Schattwald, Tannheim, Zöblen und Jungholz leben rund 3000 Einwohner. Wer Remmidemmi und gigantische Diskos für Après-Ski sucht, der ist hier falsch. Es ist das Tal für Familien und ruhige Genießer. Es gibt 72 Kilometer geräumte Wanderwege. Das Loipennetz für Langlauf (klassische Technik und Skating) beträgt 140 Kilometer mit einem Höhenunterschied von maximal 50 Metern. Für Alpin-Ski stehen 55 Kilometer präparierte Pisten zur Verfügung. Und das 1100 Meter hoch gelegene Tal geizt nicht mit alljährlich wiederkehrenden Events: Internationales Ballonfestival und Ballonglühen, Schlittenhunderennen, Langlaufwettbewerb Ski-Trail, Laternenläufe, Nordic-Fitness-Woche. Sechs Ski-Kinderländer wie das Ice Age Kinderland in Tannheim, der Pumucklhang in Zöblen oder das N’Ice Bear Kinderland in Jungholz sorgen für genügend Abwechslung für die Jüngsten.

Im Januar gehört der Himmel den Heißluftballons

Jedes Jahr im Januar gehört zwei Wochen lang 25 Heißluftballons der Himmel. Hobby-Ballonfahrer aus verschiedenen europäischen Ländern treffen sich dann, um einmal am Tag in die Luft zu gehen. Rudi Höfer, ein ehemaliger Polizist aus Schwäbisch Hall, organisiert das Festival seit 18 Jahren: „In den Bergen ist Ballonfahren nur im Winter möglich. Man braucht Hochdruckwetterlage mit geringer Thermik.“ Für Einheimische und Urlauber, die mal hoch hinaus wollen, ist in dem einen oder anderen Weidenkorb immer ein Plätzchen frei.

Pilot Peter Pohl und seine Crew vom Ballonteam „Pik-As“ haben bereits den Korb vom Hänger gehoben und beginnen, die endlos erscheinende Ballonhülle auszurollen. Eine Gebläsemaschine drückt kalte Luft hinein. Der lange Wulst wird langsam dicker und nimmt Form an. Der Brenner erhitzt die Luft, bis sie warm genug ist und der Ballon sich aufrichtet. „Glück ab und gut Land“, ruft Peter, hauptberuflich Bestattungsunternehmer in Friedrichshafen am Bodensee, und lässt den Brenner zischen. Schon steigt der Ballon lautlos wie ein Fahrstuhl nach oben. „Zwei Meter pro Sekunde geht es aufwärts“, sagt Peter und kontrolliert ständig Windrichtung und –geschwindigkeit. Schon schwebt der Ballon über der weißen Barockkirche St. Nikolaus, der zweitgrößten Kirche Tirols.

Drei Ballons sind bereits in der Luft. Weitere grüne, gelbe, blaue und weiße Nylonhüllen werden auf dem langsam kleiner werdenden Startplatz ausgerollt. Wenn der Wind aus Südwesten kommt, geht die Fahrt Richtung Schloss Neuschwanstein im Allgäu oder ins bayerische Oberland. Aber auch Alpenüberquerungen Richtung Italien haben schon stattgefunden. Doch heute gibt es einfach zu wenig Wind. „Nur zwei bis fünf Kilometer pro Stunde“, brummelt Peter. Kein Laut ist zu hören. Ab und zu durchbricht das Geräusch „schschsch“ des Brenners die Stille. Aus 2500 Metern Höhe ist der Forggensee bei Füssen klar zu erkennen, aber die Ballone bewegen sich kaum vorwärts. Sie drehen ihre Runden durchs Tal. Werfen ihre Schatten auf den Halden- und Vilsalp-See, ziehen an den Bergspitzen Einstein, Gimpel und Rote Flüh vorbei. Straßen wirken wie eine Modellanlage, auf der sich Spielzeugautos überholen.

Paraglider schweben zwischen den Ballons hindurch

Auf dem 1862 Meter hohen Neunerköpfle sausen Alpin-Ski-Läufer die Hänge hinab. Paraglider schwingen sich in die Luft und gleiten zwischen den Ballons hindurch. Nach zwei Stunden „Logenplatz am Himmel“ wird es Zeit, einen Landeplatz zu finden. Noch 200 Meter. Die Langläufer und Wanderer, die als bunte Stecknadelköpfe der weißen Winterlandschaft ein paar Farbtupfer verleihen, werden wieder größer. Sie bemerken den zischenden Ballon und winken. Auch Sepp ist mit einer Gruppe unterwegs. Das Knirschen der Schneeschuhe ist deutlich zu hören. 

Information

Anreise: A8 Richtung Ulm, A7 Richtung Kempten/Füssen, Ausfahrt Oberjoch/Tannheimer Tal (mautfrei) mit der Bahn: bis Sonthofen, Bus-Verbindung oderTaxi-Service ins Tannheimer Tal.

Dauer der Ski-Saison im Tannheimer Tal: Mitte Dezember bis Mitte April

Unterkünfte: Pensionen/Gästehäuser Übernachtung/Frühstück ab 21 Euro pro Person 3-Sterne Hotels Übernachtung/Frühstück ab 40 Euro pro Person 4-Sterne-Hotels Übernachtung/Frühstück ab 64 Euro pro Person

Hotelbeispiele: Vital-Hotel Zum Ritter Unterhöfen 19 (im Zentrum von Tannheim) A-6675 Tannheim, www.hotel-ritter.at; Landhotel Rehbach Rehbach 1 (mitten in der Natur) A-6677 Schattwald, www.rehbach.at.

Outdoor-Angebote im Tannheimer Tal im Winter: Langlauf, Alpin-Ski, Schneeschuhwandern, Rodeln, Eislaufen, Eisstockschießen, Winterbergsteigen und Eisklettern, Pferdeschlittenfahrten Schneeschuhwanderung: mehrstündiges kostenloses Angebot des Tourismusverbands Tannheimer Tal, Ausleihgebühr für ein Paar Schneeschuhe: Acht Euro.

Jährlich wiederkehrende Großereignisse im Tannheimer Tal:

18. Internationales Ballonfestival in Tannheim: 7. bis 20. Januar 2013 Anmeldung für Mitfahrten direkt am Startplatz oder im Voraus bei: Rudolf Höfer, Tel. 0049 791-41044 oder 0049 171-8500854 bzw. während des Festivals 0043-67-69490250. Preis pro Erwachsener 220 Euro.

8. und 15. Januar 2013: Nächtliches Ballonglühen in Jungholz bzw. Tannheim, bei dem die Ballons am Boden bleiben und zu musikalischen Klängen wie Lampions vom Brenner erleuchtet werden. www.ballonfestival-tannheimertal.de.

Ski-Trail: 23. bis 25. Januar 2013 Langlaufwettbewerb (Klassisch und Skating) vom Tannheimer Tal nach Bad Hindelang, www.ski-trail.info.

Allgemeine Informationen und Prospektversand: Tourismusverband Tannheimer Tal Oberhöfen 110, A-6675 Tannheim, www.tannheimertal.com.

Dagmar Krappe/ Fotos: Axel Baumann, vom 27.12.2012 04:06 Uhr
  Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Jetzt bewerten!
          1
Kommentare (0)
  • » Kommentare anzeigen
  • » Kommentar schreiben
Autor *
E-Mail * (wird nicht veröffentlicht)
Betreff *
Ihr Kommentar *
* Pflichtfelder