Australien
Hai-Light am Riff

Eine wahrhaft gigantische Begegnung: Schnorcheln mit Walhaien am westaustralischen Ningaloo-Riff. Foto: Stephan Brünjes
Eine wahrhaft gigantische Begegnung: Schnorcheln mit Walhaien am westaustralischen Ningaloo-Riff. Foto: Stephan Brünjes

Plötzlich geht alles ganz schnell: „Gruppe eins fertig zum Walhai-Schwimmen in drei Minuten“, ruft Schnorchel-Guide Frankie übers Deck der „Latitude II“. Sofort wird es hektisch auf dieser umgebauten 20-Meter-Jacht mit Fischkutter-Vergangenheit. Jeff, pensionierter Börsenmakler aus Adelaide, zwängt seine Füße, Schuhgröße 47, quietschend in 46er-Flossen – größere gab es nicht im Ausrüstungslager unter Deck. Muss so gehen, denn – Frankies Nebelhorn-Stimme verkündet es gerade – in einer Minute wird die Truppe in den Indischen Ozean gleiten und den größten Fisch des Planeten aus nächster Nähe sehen, neben ihm herschwimmen, sich mit ihm fotografieren lassen.

So wird das Wetter

Ein einmaliges Erlebnis, denn wann nähert man sich schon mal hautnah einem bis zu 18 Meter langen Tier, das mit mehr als 30 Tonnen so schwer ist wie ein Lastwagen und dabei völlig ungefährlich. Das Walhaimaul ist zwar ein 1,5 Meter breiter, schwarzer Schlund und meistens offen. Aber nur, damit gut 5000 Liter Meerwasser pro Stunde rein- und gleich wieder rausströmen, sobald darin herumschwimmende Algen und Plankton-Tiere herausgefiltert sind. Die friedlichen Giganten ziehen zwischen März und Juli hierher in die Nähe von Exmouth, an die Küste Westaustraliens, 1200 Kilometer nördlich von Perth, der Hauptstadt des Bundesstaates. Vermutlich kommen die Walhai-Kolonien aus der Antarktis ans 250 Kilometer lange  Ningaloo Reef, wohl um hier ihre Jungtiere zu gebären. Vielleicht aber auch, weil hier so viel nahrhafter Krill rund ums Riff an der Oberfläche dümpelt. So richtig erforscht ist das alles noch nicht.

Es gilt einige Regeln zu beachten

Jetzt, Sekunden vor dem Start zum ersten Rendezvous mit den Unterwasser-Riesen, prüft Frankie noch mal den vorhin gelernten Walhai-Knigge ab: nicht näher als drei Meter heranschwimmen und mindestens vier Meter Abstand von der mannshohen Schwanzflosse halten. Nicht vor dem Maul, sondern nur seitlich paddeln, auf keinen Fall berühren, keine Fotos mit Blitz! Alles klar? Dann ab ins Wasser! Frankie und Fotografin Cindy voraus, die zehnköpfige Gruppe eins hinterher. Die beiden Guides dirigieren mit Handbewegungen in zwei Reihen. Ob der Walhai nur vorbeikommt, wenn man ihm so ein Empfangs-Spalier bildet?

Tatsächlich, genau durch das Spalier gleitet in Super-Zeitlupe ein Koloss, zum Greifen nahe, nicht mal einen Meter unter der Oberfläche. Wie ein geschmeidiges, graues U-Boot mit Tarnfleck-Haut, vergleichsweise winzigen Augen hinter dem Großmaul und im Verhältnis zum massigen Körper fast stummeligen Flossen. Im Nu verschwindet er in einem Vorhang aus Blubber-Blasen, erzeugt von der Schnorchlergruppe, die mit hek­tischem Flossenschlag versucht, neben dem Walhai herzuschwimmen.

Stephan Brünjes, vom 26.04.2017 09:51 Uhr
  Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Jetzt bewerten!
          0
Kommentare (0)
  • » Kommentare anzeigen
  • » Kommentar schreiben
Autor *
E-Mail * (wird nicht veröffentlicht)
Betreff *
Ihr Kommentar *
* Pflichtfelder