Ain-Region in Frankreich
Strandurlaub im Gebirge

Der Ain ist ein Fluss in Frankreich, der in den Regionen Bourgogne-Franche-Comté und Auvergne-Rhône-Alpes verläuft.  Foto: shutterstock/macumazahn
Der Ain ist ein Fluss in Frankreich, der in den Regionen Bourgogne-Franche-Comté und Auvergne-Rhône-Alpes verläuft. Foto: shutterstock/macumazahn

„La France profonde“ ist eine Phrase, die Franzosen gerne im Munde führen, wenn sie deutlich machen wollen, wo ihrer Meinung nach das eigentliche Herz Frankreichs schlägt. Auf keinen Fall in Paris nämlich und natürlich schon gar nicht in irgendeiner der anderen großen Städte. Aber nicht nur das. Das „tiefe“, eigentlich das „wahre“, das „echte“  Frankreich wird fast immer nur dorthin verortet, wo die Touristenströme in der Regel großräumig vorbeifließen: in die Sologne, in das  Périgord oder ins Cantal. „Au milieu de nulle part“ eben, in die Mitte vom Nirgendwo. Gerne bilden diese Landstriche die Kulisse für die in Deutschland (und auch Frankreich) so gerne gesehenen französischen Streifen, die das vermeintlich ursprüngliche Landleben und seine Genüsse feiern.

So wird das Wetter

Was dieses in Frankreich eigentlich durch und durch positiv besetzte Attribut des „tiefen“ Frankreichs, das nicht aus dem Wortschatz der Geografie, sondern dem des urfranzösischen Savoir-vivre stammt, wissentlich unterschlägt: In der französischen Tourismuswerbung kommt es meist dort zum Einsatz, wo es an wirklich Zugkräftigem fehlt. Oder weniger schmeichelhaft: Nicht selten zeichnet sich „la France profonde“ durch gepflegte Langeweile aus, die es mit viel gutem Essen und exzellentem Wein zu vertreiben gilt. Es käme nie einer auf die Idee, die Küsten- oder Hochgebirgsregionen des Landes, so ländlich sie auch geprägt sein mögen, als das „tiefe Frankreich“ zu bezeichnen. Wo man kann, wirbt man mit Habhafterem. „La France profonde“ – es ist deshalb auch ein Label, das Erlebnishungrige und Familien eher abschreckt.

Vielleicht gibt es deshalb in Frankreich, anders als hierzulande, auch noch das: Landschaften, die trotz ihrer überbordenden Reize aus scheinbar unerklärbaren Gründen vom Massentourismus verschont bleiben. Der französische Jura, „la France profonde“ wie aus dem Bilderbuch, ist so eine Gegend. Vor allem ganz im Süden, wo die Regionen Franche-Comté und Rhône-Alpes aufeinandertreffen, wo Südfrankreich gerade noch nicht beginnt, aber mit seiner Wärme und seinem gleißenden Licht schon nach Norden ausstrahlt, wo Frankreich so „tief“ ist wie nur irgendwas – prickelnder Jurawein, Bressehühner und der berühmte Rohmilchkäse Comté eingeschlossen –, von Langeweile aber trotzdem keine Spur ist.

Torsten Schöll, vom 25.05.2017 22:17 Uhr
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